Tiere essen

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Tiere essen

Beitrag  Alice am Mo 16 Aug 2010, 20:46

das Eingangsposting lautete :

Wir haben das Tier in uns vergessen und vergessen das Tier, sobald es auf unserem Teller liegt. Das gehört zur Verhaltensweise der Kälte, der vielleicht zentralsten psychosozialen Technik fortgeschrittener Kulturen. Dennoch dürfte es wenige Fleischesser geben, die unbeeindruckt blieben, wenn sie sich der Unbequemlichkeit aussetzten, beispielsweise einen Film anzusehen, der ihnen zeigt, wie das Fleisch auf ihre Teller kommt (sehr häufig werden Tiere in der industriellen Schlachthausroutine nicht gründlich genug betäubt und schreiend bei lebendigem Leib gehäutet und zerstückelt). Der südafrikanische Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee erinnert in seiner bewegenden Erzählung Das Leben der Tiere an die »gewaltige gemeinschaftliche Anstrengung«, derer es bedarf, um »unsere Herzen vor den Schlachtstätten zu verschließen«.

Gleichwohl kultivieren wir inmitten dieser offensichtlichen Mitleidslosigkeit sonderbare Mitleidsnischen. Niemand möchte seinen eigenen Hund oder sein eigenes Pferd essen, obgleich Hunde und Pferde durchaus gegessen werden. Für unsere Katzen kaufen wir altersgerechtes Katzenfutter und lassen sie beim Tierarzt gegen Diabetes behandeln, während wir Kühe und Hühner, sauber in Cellophan verpackt, in der Tiefkühltruhe aufbewahren. Dabei ist die Artengrenze, die festlegt, welches Tier geliebt und welches gemordet wird, völlig willkürlich und abhängig von den Sitten und Moden.

Iris Radisch in: Tiere sind auch nur Menschen
Zeit Online
http://www.zeit.de/2010/33/Vegetarismus-Essay?page=1
Anlässlich des neuen Jonathan Safran Foer-Bestsellers "Tiere essen" wird zur Zeit das Töten und Essen von Tieren im Westen wieder vermehrt diskutiert.

Der ganze, in meinen Augen hervorragender Artikel von Iris Radisch umfasst mehrere Seiten und kann hier nur stellenweise zitiert werden, behandelt jedoch die wichtigsten moralischen Aspekte, die sich bei diesem Thema zwangsläufig anbieten.

Vor dem Hintergrund, dass der Geschmack von Fleisch in Wahrheit fast ausschließlich auf die (hoffentlich gekonnte) Verwendung von Kräutern, Gewürzen, tierischen Fetten und die (besonders in der Gastronomie obligatorische) Verwendung von Alkohol zurückzuführen ist, erlaube ich mir an dieser Stelle wieder einmal ein kritisches Hinterfragen der Angewohnheit, Tiere zu essen.


Alice

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Alice

Beitrag  Harry1972 am Di 17 Aug 2010, 08:16

...Vegetarier sind nicht gesünder als Menschen, die gelegentlich und in kleinen Mengen Fleisch und Fisch verzehren, steht da (siehe oben, bei Wiki).

Ja, da habe ich doch nicht widersprochen. Sie sind durchschnittlich gesünder als Leute, die viel Fleisch essen aber dieser Vorteil schwindet, sobald die "Fleischesser" ihren Konsum erheblich einschränken.

Das man sich selber mehr liebt oder achtet, weil man die Tiere liebt und achtet, halte ich für eine nette, aber auch gewagte These. Sicher trifft das aber auf einen Teil der Menschen zu, die quasi einen Anstoß von Aussen brauchen, um sich auf sich selbst besinnen zu können.
Ich mag die These also nicht bestreiten. Dazu ticken Menschen einfach zu unterschiedlich.

Mir selbst wäre der gesundheitliche Aspekt ebenso wichtig, wenn es denn einen gäbe, würde ich gänzlich auf Fleisch verzichten.
Aber eben auch der Tierschutz. Ich bin an einer viel befahrenen Straße aufgewachsen und habe hunderte von den Viehtransportern im Stau stehen sehen. Es ist jedesmal herzzerreissend, wenn man die Tiere hört und sieht.
Das hat mich z.B. schon dazu gebracht, Frischfleisch nur dort zu kaufen, wo ich sicher sein kann, dass die Tiere aus der Region stammen.

Es reicht aber nicht, mich dazu zu bringen, vegetarisch zu leben. Ich habe das mal ausprobiert und nach 4 bis 5 Wochen lief mir schon das Wasser im Mund zusammen, wenn ich nur daran dachte, wie jemand eine Kuh erschiesst.
Also esse ich weiterhin Fleisch, jedoch längst nicht täglich. Damit meine ich auch andere Fleischprodukte.

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Öhh...

Beitrag  Harry1972 am Di 17 Aug 2010, 08:29

...ich kann nicht behaupten, dass Kindern das Grauen ins Gesicht geschrieben steht, wenn sie zum ersten Mal eine Schlachtung miterleben.
Es kommt wohl eher darauf an, wie diese Kinder erzogen sind.
Klar...wenn ich ein Kind von 5 Jahren aus seinem Kinderzimmer zerre, wo alles heile heile Gänschen ist, es unvermittelt zum Schlachtplatz führe, wo eine Sau zuerst per Bolzen getötet und dann aufgeschnitten wird, habe ich das Kind erfolgreich traumatisiert.
Hat das Kind aber diese Vorgänge schon von kleinauf miterlebt, empfindet es auch kein Grauen davor.

Meine Tante erzählte mal davon, als Hausschlachtungen hier noch weit verbreitet waren. Damals gab es sogenannte Pingelwürstchen. Das waren frische Würste, die extra für die Nachbarskinder hergestellt wurden, die an der Haustür pingeln (klingeln) würden.

Wie schon gesagt. Die Qual der Tiere würde ich auch gerne abschaffen. Mir wäre sehr viel wohler, würden Tiere wieder im kleinen Maßstab aufgezogen und geschlachtet.
Aber ich lasse mich nicht davon überzeugen, dass ich keine Tiere mehr töten und essen soll.
Wenn man diese Tiere artgerecht hält, haben sie doch ein glückliches Leben, welches dann zwar relativ abrupt endet, aber nicht durch Qual und Schrecken gekennzeichnet ist.

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Fortschritt???

Beitrag  patagon am Mi 18 Aug 2010, 02:27

Ich glaube, dass sehr viel weniger Menschen Tiere essen würden, wenn sie sie selbst erlegen und schlachten müssten.

Ich denke, dass ich es nicht könnte. Und dass es heute nicht mehr so viele gibt, die das selbst tun könnten.

Es gibt einen komischen Film, ähnlich wie "Das Wirtshaus im Spessart", da gehen ein paar übermütige ziviltsationsmüde Burschen in den Wald und wollen Räuber werden.

Als sie kein Geld mehr haben um etwas zu essen zu kaufen, klauen sie ein Huhn. Aber keiner kann es schlachten.

Dagegen habe ich mal gehört, dass Schiffsbrüchige zu Kannibalen wurden, als es nichts mehr gab.

Wissen wir es?


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Ohne Worte

Beitrag  Barbarella am Mi 18 Aug 2010, 21:34


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Barbi,

Beitrag  patagon am Mi 18 Aug 2010, 21:48

Du sagst May alles ohne Worte. Chapeau!
Dagegen sollte nun wirklich jeder etwas tun und wäre es nur das Schnitzel vom Bio Bauern.

patagon

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@patagon

Beitrag  Barbarella am Mi 18 Aug 2010, 22:58

Ich bin auch kein Vegetarier..... aber wenn man die Bilder aus der Massentierhaltung sieht..... kann einem Fleisch wirklich vergehen. Tiere=Massenware

Das ist aber ein Problem, derweil die Leute möglichst "billig" an ihren Sonntagsbraten kommen wollen und das möglichst jeden Tag.

Ich kaufe kein abgepacktes Fleisch im Discounter und esse auch nicht jeden Tag Braten.

Auf "Braten" oder Fleisch zum Mittag könnte ich wahrscheinlich auch verzichten.... bei mir sind es eher die kindlichen Vorlieben für gewisse Wurstwaren und Fleischsalate.

Dann und wann ein Schnitzel.... rundet halt den Spargel ab.

Aber man sollte halt auch wirklich mal auf den Blumenkohl zurückgreifen........
Ich "arbeite" daran.......

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Re: Tiere essen

Beitrag  Harry1972 am Do 19 Aug 2010, 01:39

Ich weiss ja nicht, ob man mit einem Schnitzel vom Bio-Bauern irgendwas gegen Rheinhard May ausrichten kann.

pig

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@Harry

Beitrag  Barbarella am Do 19 Aug 2010, 01:50

Gegen Reinhard May vielleicht nicht...... den bekommt man auch nicht beim Bio Bauern. Laughing

Patagon meint wahrscheinlich weniger Fleisch..... nicht jeden Tag .....günstig von Penny oder Aldi..... wenn, dann hochwertiger..... wo das arme Schwein wenigstens mal Licht und Stroh gesehen hat.

Also.... wenn Schnitzel.... dann vom "glücklichen" Schwein.
Genau wie bei den Eiern von den glücklichen Hühnern.....

Die Masse ist wohl das größte Übel.....

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Barbarella .....

Beitrag  Freizeit am Do 19 Aug 2010, 02:03

> ....dann vom "glücklichen" Schwein. <

Hast du schon einmal ein glückliches Schwein lachen sehen?

Wenn ja, dann hast du Glück oder Schwein gehabt. Oder was auch immer genommen ..... Very Happy


Sollte mich jemals ein Schwein anlachen, kann er von Glück reden, wenn ich ihn nicht verwurste Twisted Evil
Mir fehlt jedoch die Apparatur dazu. Aber das sage ich dem Schwein doch nicht. Bin keine Plaudertasche.

Übrigens. Untergetaucht bin ich nur bei der Migros (Einkaufsmarkt). Ich war einkaufen und habe gleichzeitig noch die Postfächer geleert. Nun hängt auch noch die Wäsche und so kann ich nun an meinem Freitag selber auch herumhängen. Ich geniesse es - das hängen Very Happy

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Beitrag  Harry1972 am Do 19 Aug 2010, 02:09

Du hängst Deine Wäsche bei der Migros auf?
Die sind aber kulant. Smile

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Na klar Harry1972 ....

Beitrag  Freizeit am Do 19 Aug 2010, 02:15

....die schweizer Grossverteiler sind eben anders als Andere.

Schliesslich wird dadurch der Kundenumsatz gesteigert. Oder würdest du nicht auch mal gerne grüne Unterhosen im Supermarkt hängen sehen. Sag bloss nicht nein! Mad

Wer hat's erfunden? Very Happy

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Re: Tiere essen

Beitrag  Harry1972 am Do 19 Aug 2010, 03:09

Ich dachte, Deine grünen Unterhosen sind aus Stevia genäht und daher essbar.
Sozusagen biodynamische Reizwäsche. What a Face

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Was Alice schon wusste:

Beitrag  Nahr am Do 13 Jan 2011, 02:21

Best of Feuilleton 2010

Der Goldene Maulwurf 2010

Die 10 besten Texte aus den Feuilletons des vergangenen Jahres


Iris Radisch

Tiere sind auch nur Menschen.
In: Die Zeit 33, 12. 8. 2010, S. 41–43.

http://www.zeit.de/2010/33/Vegetarismus-Essay

Die Überschrift klingt erst mal nur wie eine Parole der Umweltgruppe der Klasse 9a. Der lange, lange Text, der ihr folgt, zeigt aber mal wieder, was für eine begnadete Polemikerin Iris Radisch ist. Vegeta­rismus ist ja vom Ernährungsstigma zum »feinen Unterschied« avan­ciert, das hakt sie auch kurz ab (»Vegetarismus-Chic in den besseren Kreisen«). Sie konzentriert sich dann darauf, die Natur- sowie die Kulturthese der Fleischlobbyisten zu entkräften. Dabei wird die Diskussion um den Vegetarismus auf einen Grad an Ursprünglichkeit zurückgeführt, dass man sehr erstaunt ist, so etwas in einem voraus­setzungsreichen Medium wie einer Zeitung zu lesen. Wie in vielen Radisch-Artikeln wechseln sich scharfe Formulierungen, denen man sich kaum entziehen kann, mit banalen Argumenten und seltsamen Volten ab. Etwa fordert sie Fleischesser, denen es einfach nur unreflektiert schmeckt, nach einem Drittel des Artikels nachgerade dazu auf, »betrüblicherweise spätestens an dieser Stelle die Lektüre des Artikels ab[zu]brechen«. Dabei würde man dann allerdings wunderschön grelle Zuspitzungen verpassen: »Der Mensch kann Klavier spielen und Porsche fahren, das Schwein kann sich nur im Sand suhlen. Was also liegt da näher, als es zu essen?« Und selbst die wildeste, nerdigste Spekulation ist noch in die eleganteste Formulierung gepackt: »Und was, wenn die Evolution noch eine Ehrenrunde dreht und eine Spezies hervorbringt, die uns für dumm hält und deswegen einsperrt und auffrisst?« Vom Auslöser des Vegetarismusdebattenjahres, dem Kompromissler Jonathan Safran Foer mit seinem Buch »Tiere essen«, grenzt sie sich übrigens ab: »Für ihn gibt es, was für mich undenkbar ist: ›ethisch unbedenkliches Fleisch‹.«

http://www.umblaetterer.de/best-of-feuilleton-2010/

Nahr

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Re: Tiere essen

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