Fall Kachelmann: Faktum oder in der 'Elsen-Falle' ...? (Teil 5)

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Fall Kachelmann: Faktum oder in der 'Elsen-Falle' ...? (Teil 5)

Beitrag  Oldoldman am Do 02 Sep 2010, 01:43

das Eingangsposting lautete :

Das Ursprungsposting von Demokritxyz am Di 23 März 2010 - 19:43 h lautete:

http:// magazine. web. de /de/themen/nachrichten/panorama/10103400-Kachelmann-in-Untersuchungshaft.html
Anm.: Da der vorstehende Link nicht mehr gültig ist, für alle Interessierten ersatzweise der Hinweis auf:

http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,685263,00.html

Na, da kann frau/manN doch mal schön spekulieren, oder ...? Gibt es Hintergrund-Infos zu Jörg Kachelmanns Ex? Oder kann vielleicht jemand sogar ein Bild posten ...?

Kann manN in der Position von Jörg Kachelmann ein Frauen-Tölpel sein ...?
Die Meinungsäußerungen zum GMX-WEB.DE-1&1-Ratgeber sind höchst aufschlussreich, oder ...?

http://meinungen.web.de/forum-webde/post/8297793

_____________
Anmerkung:

Den ersten Teil mit den Postings 1 - 990 (23.03.2010, 19:43 - 12.5.2010, 12:06) gibt es
HIER (Teil 1).
Den zweiten Teil mit den Postings 991 - 1893 (12.5.2010, 12:44 - 15.06.2010, 12:27) gibt es
HIER (Teil 2).
Den dritten Teil mit den Postings 1894 - 2813 (15.06.2010, 12:46 - 14.07.2010, 11:33) gibt es
HIER (Teil 3).
Den vierten Teil mit den Postings 2814 - 3755 (14.07.2010, 11:43 - 02.09.2010, 14:40) gibt es
HIER (Teil 4).
Den fünften Teil mit den Postings 3756 - 4712 (02.09.2010, 14:52 - 21.09.2010, 11:31) gibt es
HIER an dieser Stelle (Teil 5).
Den sechsten Teil mit den Postings 4713 - 5669 (21.09.2010, 11:36 - 04.10.2010, 11.27) gibt es
HIER (Teil 6).
Den siebenten Teil mit den Postings 5669 - 6690 (04.10.2010, 11.36 - 17.10.2010, 09:30) gibt es
HIER (Teil 7).
Den achten Teil mit den Postings 6691 - 7664 (17.10.2010, 09:50 - 28.10.2010, 10:32) gibt es
HIER (Teil 8 ).
Den neunten Teil mit den Postings 7665 - 8613 (28.10.2010, 10:40 - 09.11.2010, 13:21) gibt es
HIER (Teil 9 ).
Den zehnten Teil mit den Postings 8614 - 9565 (09.11.2010, 13:26 - 23.11.2010, 18:50) gibt es
HIER (Teil 10).
Den elften Teil mit den Postings 9566 - 10516 (23.11.2010, 18:53 - 07.12.2010, 18:21) gibt es
HIER (Teil 11).
Den zwölften Teil mit den Postings 10517 - 11480 (07.12.2010, 18:27 - 21.12.2010, 13:47) gibt es
HIER (Teil 12).
Den dreizehnten Teil mit den Postings 11481 - 12458(21.12.2010, 13:50 - 13.01.2011, 18:55) gibt es
HIER (Teil 13).
Den vierzehnten Teil mit den Postings 12459 - 13452(13.01.2011, 18:57 - 01.02.2011, 16:48 ) gibt es
HIER (Teil 14).
Den fünfzehnten Teil mit den Postings 13453 - 14415(01.02.2011, 16:54 - 12.02.2011, 21:53) gibt es
HIER (Teil 15).
Den sechzehnten Teil mit den Postings ab 14416 (ab 12.02.2011, 21:57) gibt es
HIER (Teil 16).
Den siebzehnten Teil mit den Postings 15389 - 16352 (28.02.2011, 12:32 - 15.03.2011, 22:24) gibt es
HIER (Teil 17).
Den achtzehnten Teil mit den Postings 16353 - 17392 (15.03.2011, 22:28 - 30.03.2011, 21:27) gibt es
HIER (Teil 18 ).
Den neunzehnten Teil mit den Postings 17393 - 18361 (30.03.2011, 21:37 - 08.04.2011, 12:19) gibt es
HIER (Teil 19 ).
Den zwanzigsten Teil mit den Postings 18362 - 19354 (08.04.2011, 12:25 - 23.04.2011, 20:18) gibt es
HIER (Teil 20 ).
Den einundzwanzigsten Teil mit den Postings 19355 - 20309 (23.04.2011, 20:35 - 10.05.2011, 08:43) gibt es
HIER (Teil 21 ).
Den zweiundzwanzigsten Teil mit den Postings 20310 - 21308(10.05.2011, 08:47 - 21.05.2011, 09:42) gibt es
HIER (Teil 22 ).
Den dreiundzwanzigsten Teil mit den Postings 21309 - 22281 (21.05.2011, 09:46 - 30.05.2011, 13:13) gibt es
HIER (Teil 23 ).
Den vierundzwanzigsten Teil mit den Postings 22282 - 23248 (30.05.2011, 13:16 - 14.06.2011, 17:36) gibt es
HIER (Teil 24 ).
Den fünfundzwanzigsten Teil mit den Postings 23249 - 24236 (14.06.2011, 17:39 - 05.07.2011, 16:33) gibt es
HIER (Teil 25 ).
Den sechsundzwanzigsten Teil mit den Postings 24237 - 25233 (05.07.2011, 16:41 - 20.08.2011, 08:27) gibt es
HIER (Teil 26 ).
Den siebenundzwanzigsten Teil mit den Postings 25234 - 26224 (20.08.2011, 08:30 - 21.09.2011, 14:09) gibt es
HIER (Teil 27 ).
Den achtundzwanzigsten Teil mit den Postings 26225 - 27252 (21.09.2011, 14:20 - 10.11.2011, 10:13) gibt es
HIER (Teil 28 ).
Den neunundzwanzigsten Teil mit den Postings 27253 - 28207 (11.10.2011, 10:23 - 16.01.2012, 09:59) gibt es
HIER (Teil 29 ).
Den dreißigsten Teil mit den Postings 28208 - 29176 (16.01.2012, 10:06 - 02.05.2012, 11:57) gibt es
HIER (Teil 30 ).
Den einunddreißigsten Teil mit den Postings ab 29177 (ab 02.05.2012, 12:05) gibt es
HIER (Teil 31 ).

Die letzten Beiträge des vierten Teils finden sich ab hier:

http://ratlos-im-netz.forumieren.com/t186p940-fall-kachelmann-faktum-oder-in-der-elsen-falle-teil-4

Oldoldman


Zuletzt von Oldoldman am Di 01 Mai 2012, 23:43 bearbeitet, insgesamt 18 mal bearbeitet

Oldoldman

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Och uvondo: sag' bitte die Wahrheit ...

Beitrag  Demokritxyz am Mo 06 Sep 2010, 01:16

uvondo:

steffi

letzter Beitrag für heute...... Der wollte nicht mit mir Kaffee und Kuchen zu sich nehmen. Der hatte einen (oder hat noch) Vertrag mit RTL. Mein Neffe hatte mich nur angerufen, weil ich ihn über dieses blödsinnige Thema in verschiedenen Telefonaten, wir sind als Familie untereinander in ständigem Kontakt, informiert hatte. Er dachte er tut mir einen Gefallen. So einfach sind manchesmal die Geschichten.

http://ratlos-im-netz.forumieren.com/sexualitat-f14/fall-kachelmann-faktum-oder-in-der-elsen-falle-teil-5-t229-120.htm#15289
Es ging um was ganz anderes:
uvondo:

Demo, ich gebe Dir recht, Pocher ist ein Ar*pieps*. Aber Du bist nicht weit davon entfernt. Wenn es um Frauen geht, schlägst Du grundsätzlich unter die weibliche Gürtellinie. (siehe Alice vorhin)

http://ratlos-im-netz.forumieren.com/sexualitat-f14/fall-kachelmann-faktum-oder-in-der-elsen-falle-teil-5-t229-100.htm#15282
Dein Neffe hatte dich angerufen, weil Jörg Kachelmann 'Probleme' mit seinen "Lausemädchen" hat, die sich noch nicht bei Bunte gemeldet haben.

Weil du wahllos jeder Else hinterherläufst und diese "Luusmaitlis" Power and Sugar Shopping gewöhnt sich, war der Gedanke, dass du diese Damen während seines Prozesses supporten könntest.

Weil diese "Lausemädchen" in Relation zu dir noch extrem 'frisch' und diesseits des Klimakteriums sind, hast du sofort zugesagt, um möglichst mit einer fünften/sechsten/... Frau neunter/zehnter/... Vater zu werden ...!
uvondo:

Jetzt darf ich reden, kann aber nicht lange zurücklesen, da ich gleich nach München zurückgeflogen werde.

http://ratlos-im-netz.forumieren.com/sexualitat-f14/fall-kachelmann-faktum-oder-in-der-elsen-falle-teil-5-t229-40.htm#15198
Rede mal weiter: Wie viele sind mitgeflogen? Und was sagen Kachelmann "Lausemädchen"? Bist du nur ein Sugar Shopping Daddy? - Oder auch ein 'Kachel'mann ...?

Demokritxyz

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demo

Beitrag  uvondo am Mo 06 Sep 2010, 01:46

sieh mal demo, ich habe Dir eines voraus, ich bin weder schwul noch impotent. Wo auch immer Du mich einsortierst, Du liegst jedesmal daneben.

Und das Du ein wahnsinniges Problem mit für Dich unangenehmen Post`s hast, sieht man daran, daß immer, wenn man sich hier mit anderen "unterhält", Du sofort einfliegst um Dich wieder in den Vordergrund zu spülen. Du kannst vielen Menschen etwas vormachen, aber...........

Wie heißt Deine Krankheit ???????????

uvondo

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Re: Fall Kachelmann: Faktum oder in der 'Elsen-Falle' ...? (Teil 5)

Beitrag  Harry1972 am Mo 06 Sep 2010, 01:59

Har har har!

Und wieder hat Demokritxyz den Prahlhans bei den Eiern gepackt.

Uvondo, wenn Du derart ungeschickt auf eine Provokation reagierst, machst Du Dich doch bloß selbst zum Clown...wieder einmal.

Deshalb fällt es mir auch schwer, Deinen ganzen Geschichten Glauben zu schenken, die Du hier auftischt.
Leute mit Gutshäusern, die hochwichtig durch die Welt jetten und ganz selbstverständlich mit den Wichtigen, Schönen und Prominenten verkehren, würden sich einfach nicht zu solchen Kommentaren hinreissen lassen.

Kapiert?
Nein?
Auch egal... What a Face

Harry1972

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@uvondo: bist du nicht vierfach promovierter Mediziner ...?

Beitrag  Demokritxyz am Mo 06 Sep 2010, 02:01

uvondo: Wie heißt Deine Krankheit ???????????
Ich bin enttäuscht von dir - auch als Mediziner! Ich antworte extra für dich lieber auf Latein, damit du mich auch verstehst: Ad bene vivendum non magnu aparatus opus est ... nec vaginam terreo!

Demokritxyz

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Halli Hallo

Beitrag  Gast am Mo 06 Sep 2010, 02:04

Hallo an alle hier,

leider hat sich meine „Rückkehr“ um ein paar Tage verlängert. Nu bin ich wieder da. Muss mich erst in Ruhe hier durchlesen. Habe 3,5 Wochen nicht hier rein gesehen. Bin sehr gespannt was sich alles getan hat. Natürlich auch im Falle Kachelmann. Ich war heute Morgen am Landgericht, aber es gab heute keine Möglichkeit rein zu kommen. Es war die „Hölle“ los. So, nun muss ich etwas arbeiten und zwischendurch lese ich mich hier ein.

Gast
Gast


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@Demo: 'Glauben' ist Kirchenrecht...

Beitrag  Oldoldman am Mo 06 Sep 2010, 02:08

Demokritxyz, 06.09.2010, 13:10 h, schrieb:Worum geht es in diesem Prozess? Um Eitelkeiten der Mannheimer Justiz? Um Justiz als Dienstleister Interessen Dritter in einer Schauspieldemokratie? Oder etwa um Vergewaltigung - du glaubst das ...?
In Glaubensfragen, wie auch im Kirchenrecht, bin ich nicht ausgebildet und erstere rechne ich mehr dem ganz privaten Bereich zu.

Daß es Eitelkeiten und Karrieredenken in der Justiz gibt, ist mir bekannt. Daß es Einflußnahmen sehr subtiler Art von Politik, Wirtschaft und Parteilobbyisten abseits der Gesetzgebung auf die Justiz geben mag, will ich nicht bestreiten. Immerhin werden bisweilen Leitende Generalstaatsanwälte (die Spitze der Staatsanwaltschaft schlechthin) wegen kritischer Äußerungen gegenüber dem Minister gern mal in den Ruhestand versetzt und es lohnt sich, nach den Parteibüchern dieser Herrschaften zu fahnden bzw. Strichliste darüber zu führen, auf welchen Parteiveranstaltungen sie (auch ganz ohne Parteibuch) häufig zu finden waren, bevor sie ernannt wurden.

Nicht ohne Hintersinn sind die "ollen Preußen" (bei allen sonst vorhandenen Fehlern) das Problem von Vetternwirtschaft und Korruption angegangen, indem sie, eingedenk der Tatsache, daß die Kommunikation in jener Zeit nicht so gut und schnell funktionierte, die führenden Beamten von einem Ort zum anderen versetzten, etwa aus der Rheinprovinz ins Memelland... Nicht, daß das heute noch funktionierte, es zeigt aber, daß, wenn das Problem einmal erkannt ist, sich was tun läßt.

Doch, bevor ich mich diesem Komplex nähere, gehe ich mal von folgenden aus:

Eine Vergewaltigung wird angezeigt. Das ist zunächst ernst zu nehmen.
Da nach dem angezeigten Sachverhalt es sich um eine Tat ohne Zeugen handelt, sie also allein durch die Aussagen des mutmaßlichen Opfers und aus Indizien zu beweisen ist, kommt der Beweissicherung, wie auch der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers eine besondere Bedeutung zu. Und hat bereits in der Vergangenheit die Kritik an der Tätigkeit der Staatsanwaltschaft und der Polizei angesetzt. Und an dieser Stelle teilen sich die Betrachtungsebenen auf:

Die ist die reine Tataufklärung und Beweiswürdigung und schließlich Tatbestandssubsumtion, soweit die tatsächlich vorhandenen Aussagen und Indizien dies zulassen.
Und auf der anderen Ebene geht es um die Frage nach den Ursachen der "Absonderlichkeiten" bei der Behandlung des Falles. Auf dieser Ebene stellt sich die Frage, wer oder was unter Umständen Einfluß auf den Gang der Ermittlungen und das weitere Verfahren genommen hat.

Und weil ich gerade dabei bin:
Bislang wird immer nur der mögliche Tatbestand "des reinen Fake" diskutiert. Rein theoretisch ist aber auch denkbar, daß es zwar eine Vergewaltigung gegeben hat, das mutmaßliche Opfer aber zur Anzeige eigentlich nicht bereit war, dann aber nicht (nur) durch die Eltern zur Anzeige bewogen wurde, sondern Dritte, die bereits bei der Aufdeckung der Mehrfachbeziehung "hilfreich" waren, ebenfalls "psychologischen Beistand" geleistet und den Opferanwalt vermittelt haben. Dann wäre die tatsächliche Vergewaltigung für bestimmte Kreise dienlich, weshalb der Ausgang des Verfahrens bereits im Vorwege festgeklopft werden muß, damit nicht der Betriebsunfall eines in-dubio-Freispruches dazwischen kommt.

Reine Spekulation, natürlich.
Aber sie zeigt, daß selbst vor dem Hintergrund der spekulierten Intrige noch Platz für eine tatsächliche und strafwürdige Vergewaltigung bliebe. Daher mein Plädoyer, den Sachverhalt anhand der jetzt im Prozeß (neu) bekannt werdenden Tatsachen erneut zu beurteilen und die Frage nach Versäumnissen, Merkwürdigkeiten, deren Ursachen und Wirkungen in einer zweiten, parallelen Task zu stellen.

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Befangenheitsantrag....

Beitrag  Oldoldman am Mo 06 Sep 2010, 02:19

Mit den Verfahrensfehlern kennt sich die Verteidigung ja aus:
BirkenstocK Verfahrensrügen im Strafprozeß - Rechtsprechungssammlung

Um das Verfahrensrecht zu beherrschen, eine Hauptverhandlung revisionssicher zu leiten oder revisionsrechtlich relevant mitzugestalten, muss der Strafverteidiger, Staatsanwalt oder Strafrichter sowie Referendar die Revisions-Rechtsprechung zum Strafverfahrensrecht möglichst sofort und vollständig zur Hand haben. Diese Rechtsprechungs-Sammlung bietet einen Zugang zur Revisions-Rechtsprechung der Strafsenate des BGH und der Spruchkörper des Bundesverfassungsgerichts zum Strafverfahrensrecht. Sie enthält mehr als 3000 höchstrichterlich beschiedene Verfahrensrügen, geordnet nach den einschlägigen Normen der StPO sowie den Gesetzen des Nebenstrafrechts. Die Rügen sind in erfolgreiche und erfolglose gegliedert und bieten so einen schnellen Zugang zur Lösung des konkreten Falls. Der I. Band beinhaltet §§ 1-260 StPO, der II. Band §§ 261-495 StPO sowie AO, BRAO, BZRG, GVG, GG, G 10, JGG und MRK.

2 Bände, 4904 Seiten, Lexikonformat, 2004, gbd. 178 € , ISBN 3-504-16561-8
Erschienen im Dr. Otto Schmidt Verlag, Kön, 2004

_________
Quelle: http://www.kanzlei-birkenstock.de/publikation.html


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hört, hört ...

Beitrag  Zitrone am Mo 06 Sep 2010, 02:21

Ich las gerade bei SPON:

Der Prozess wird nun am 13. September fortgesetzt - in der bisherigen Besetzung, falls die Befangenheitsanträge abgelehnt werden sollten. Im Falle eines Erfolgs der Verteidigung müssen Vertreter berufen werden. Vorsorglich hat die Große Strafkammer einen Ersatzrichter bestellt, der am gesamten Strafverfahren teilnehmen wird, um notfalls einspringen zu können. Auch zwei Ersatzschöffen nehmen bereits an der Verhandlung teil.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,715860,00.html

Zitrone

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Re: Fall Kachelmann: Faktum oder in der 'Elsen-Falle' ...? (Teil 5)

Beitrag  Alice am Mo 06 Sep 2010, 02:23

10.25 Uhr: Alice Schwarzer sagt zu BILD: "Ich war sehr beeindruckt von der Tatsache, dass das mutmaßliche Opfer im Saal saß. Damit demonstriert sie: Hier bin ich, ich bin stark, ich verstecke mich nicht." Über Kachelmann sagt die Frauenrechtlerin: "Er sah mitgenommen und geschafft aus, eben den Umständen entsprechend.“

http://www.bild.de/BILD/news/2010/09/06/wettermoderator-joerg-kachelmann-prozessauftakt/landgericht-mannheim-ticker.html
Die Bilder der Nebenklägerin wurden zwar gepixelt, dennoch war deutlich, wie schön sie in Wirklichkeit ist. In der Tat beeindruckend, dass sie da war, ruhig und gefasst.

Noch eine Bemerkung zu ihrer von Gabriele Wolff angesprochenen Religiosität: Auch hierzu passt keine hysterische Racheaktion...

Vorher bin ich über einen mir interessant scheinenden Artikel gestolpert, den ich hier nochmal poste (mit der Bitte um Entschuldigung, falls es sich um eine Wiederholung handelt).
Es geht um psychologische Glaubwürdigkeitsgutachten und Zeugenaussagen.
Der Fall Kachelmann

Lügen-Haft?

Das OLG Karlsruhe hat eine Fortdauer der Untersuchungshaft des Wettermoderators Jörg Kachelmann abgelehnt. Was aber sind die Maßstäbe für die Beantwortung der zentralen Frage nach der Glaubhaftigkeit der Angaben jener Opferzeugin, die Sabine W. genannt wird? Prof. Dr. Matthias Jahn zeigt, dass die Juristen hier viel von der Aussagepsychologie gelernt haben.



Während der zuständige 3. Strafsenat des Karlsruher Oberlandesgerichts (OLG) darüber befand, ob gegen Jörg Kachelmann ein dringender Tatverdacht vorliegt, werden sich die drei Richter vielleicht an ihre juristische Ausbildung zurückerinnert haben.

Franz von Liszt, einer der berühmtesten deutschen Kriminalwissenschaftler, inszenierte im Jahr 1901 ein legendäres Hörsaalexperiment, das auch heute noch in Vorlesungen zum Strafprozessrecht nachgespielt wird. Nach einem fingierten Revolverattentat zwischen zwei hitzköpfigen Diskussionsteilnehmern wurden die Studenten und Rechtsreferendare zu dem Vorfall als Zeugen befragt. Das Ergebnis war vernichtend, die Erinnerung in einzelnen Punkten bei jedem zweiten der Anwesenden grob falsch.

Das Ergebnis: Die fehlerlose Erinnerung des Zeugen ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme. "Redlich, aber falsch", diese unter Juristen bekannte Losung kündet von der Fragwürdigkeit des Zeugenbeweises – in dem Münchener Strafverfahren um den Tod von Dominik Brunner an der S-Bahn Station Solln gibt es dazu derzeit reiches Anschauungsmaterial. Für den Beschuldigten verschärft sich die Lage nochmals, wenn in der Situation „Aussage gegen Aussage“ nicht nur die Redlichkeit, sondern sogar der Realitätsgehalt der Belastungsmomente zum Thema wird.

Leichen im Keller und verlassene Ex-Freundinnen – Glaubwürdigkeit ist nur ein Indiz

Der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen müssen aber bei ansonsten schwieriger Beweislage gerade in streitigen Fällen wie in der Sache Kachelmann nachvollziehbare Kriterien zugrundeliegen. Dabei ist zunächst begrifflich zu unterscheiden zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person, also einem Persönlichkeitsmerkmal, und der Glaubhaftigkeit einer Aussage als solcher.

Ist prozessentscheidend, ob die Aussage eines Zeugen glaubhaft ist, kann sich das Gericht spätestens in der Hauptverhandlung eines Sachverständigen bedienen. Gegenstand von dessen aussagepsychologischer Begutachtung ist aber nicht die Frage nach der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Untersuchten im Sinne einer Eigenschaft der Person. Es geht vielmehr nur um die Beurteilung, ob auf ein bestimmtes Geschehen bezogene Angaben tatsächlichem Erleben entsprechen.

Die Glaubwürdigkeit eines Zeugen ist demnach nur ein Indiz für die Glaubhaftigkeit seiner Aussage. Ans Licht gezerrte Episoden aus dem Lebensumfeld von Opferzeugen sind daher für die juristische Beurteilung zunächst einmal ebenso irrelevant wie laienpsychologische Ferndiagnosen über die durchschnittliche Belastungstendenz der Angaben verlassener Freundinnen.

Juristen und Psychowissenschaften

Was zählt, sind vielmehr methodische Mindeststandards, die der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Grundsatzurteil bereits vor mehr als einem Jahrzehnt festgelegt hat. Damals ging es um ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern (BGHSt 45, 164).

Geboten ist die Hinzuziehung eines psychologischen oder psychiatrischen Sachverständigen demnach jedenfalls im Hauptverfahren – im Fall Kachelmann also wohl ab September vor dem Landgericht Mannheim – dann, wenn der Sachverhalt Zweifel am Ausreichen der Sachkunde des Gerichts weckt.

Psychologen werden daher insbesondere dann herangezogen, wenn die Glaubhaftigkeit der Aussage des einzigen Belastungszeugen zu beurteilen ist, ohne dass weitere Sachbeweise existieren, die Frage von Freispruch oder Verurteilung also allein auf dieser Aussage beantwortet werden muss. Ebenso kann ein Sachverständiger zu beauftragen sein, wenn Aussagemotive wie Rache nicht von vornherein ausgeschlossen werden können und auch dann, wenn bei Sexualstraftaten der entgegenstehende Wille der Geschädigten in Frage gestellt wird.

Selten genug, aber im Fall der Zeugin Sabine W. dürften wohl alle drei Motive nicht sofort von der Hand zu weisen sein. Das erklärt die bislang über die Medien unter reger Beteiligung der Verteidigung von Jörg Kachelmann geführte Gutachterschlacht, die in der Hauptverhandlung ihre Fortsetzung finden dürfte.

Die Nullhypothese, Realitätskriterien und Lügensignale

Das Grundprinzip des Psychogutachtens besteht darin, die Glaubhaftigkeit der spezifischen Aussage so lange zu verneinen, bis das Ergebnis mit den Fakten des Falles nicht mehr vereinbar ist.

Der Sachverständige nimmt daher zu Beginn der Begutachtung zunächst an, die Aussage sei unwahr. Der BGH bezeichnet dies als die Nullhypothese. Um in diesem Verfahren die Qualität von Angaben überprüfen zu können, haben sich in der Aussagepsychologie zwei Hauptkriterien etabliert. Kriterien für den Realitätsgehalt einer Zeugenaussage sind zum Beispiel die Konkretheit und Anschaulichkeit der Schilderungen, ihr Detailreichtum, die Schilderung unerwarteter Komplikationen, das Fehlen von Klischees und Stereotypen sowie für den Fall, dass mehrere Aussagen vorliegen, Übereinstimmungen, Widersprüche, Ergänzungen und Auslassungen.

Eine bewusst lügende Person konstruiert ihre Aussage hingegen aus gespeichertem Allgemeinwissen. Da dies eine schwierige Aufgabe ist, gibt es auch dafür Indizien. Klassische Lügensignale sind etwa Verlegenheit und Zurückhaltung des Aussagenden bis hin zu Verweigerungs- oder Fluchttendenzen (übrigens auch in der Körpersprache). Auch das so genannte Vorwegverteidigungs- ("Wenn Sie mir vorwerfen würden, dass ich ...") und das Entrüstungssymptom ("Eine Unverschämtheit, mir zu unterstellen, dass ich ...") sprechen dafür, dass eine Person bewusst die Unwahrheit sagt. Schließlich können auch die Kargheit, die Abstraktheit und die Detailarmut einer Darstellung ein Indiz für eine Lüge sein.

Genügt ein Gutachten den methodischen Standards des BGH, kann es das Tatgericht seiner Beweiswürdigung zugrundelegen, wenn es ihm inhaltlich folgen möchte. Bei sich widersprechenden Stellungnahmen der Sachverständigen kann aber auch die Einholung eines klärenden "Obergutachtens" erforderlich werden – der Einzelfall entscheidet.

Keine voreiligen Schlüsse!

Allerdings ist bei allen Schlussfolgerungen Vorsicht geboten: Sowohl bei Realitätskriterien als auch bei Lügensignalen handelt es sich nur um Indikatoren mit für sich genommen nur wenig über dem Zufallsniveau liegender Bedeutung.

Deshalb ist es auch wenig erhellend, wenn sich in den Medien aus den im Fall Kachelmann vorgelegten Gutachten aus dem Zusammenhang gerissene Zitate und Faktenschnipsel finden.

Nicht ein einzelnes Kriterium ist am Ende entscheidend für Freispruch oder Verurteilung von Jörg Kachelmann. Das Gericht muss und wird vielmehr eine Gesamtwürdigung vornehmen, die sich auf alle Informationen aus den Gutachten, die Meinungen der Sachverständigen und nicht zuletzt seine eigenen Eindrücke vom Realitätsgehalt der Aussage der Belastungszeugin stützen wird. Es ist, trotz allen sachverständigen Streits, am Ende immer noch der Richter, der die Verantwortung für das Urteil trägt.

Der Autor Prof. Dr. Matthias Jahn ist Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht und Leiter der Forschungsstelle für Recht und Praxis der Strafverteidigung (RuPS) der Universität Erlangen. Er ist selbst im Nebenamt Richter am Oberlandesgericht Nürnberg.


29.07.2010
Autor:Prof. Dr. Matthias Jahn

Hervorhebungen: Alice

http://lto.de/de/html/nachrichten/1087/kachelmann-luegen-haft/

Meiner Meinung nach ist diese Form von psychologischer Begutachtung äußerst problematisch, da Eigenschaften wie Verlegenheit, allgemeine Zurückhaltung sowie verbale Fertigkeiten und Gewohnheiten mit Temperament, Charakter, Bildungsstand, Herkunft und nicht zuletzt mit der Fähigkeit zur Stressbewältigung zu tun haben und daher nicht notwendigerweise Indizien sind für Lüge oder Wahrheit. Das könnten sie sein, wären alle Menschen gleich - aber das sind sie eben nicht.

Andererseits, wer kennt sie nicht, die notorischen Lügner, die, von denen man sagt, sobald sie den Mund aufmachen, lügen sie... und wer kennt nicht die Vehemenz, ja oft sichtliche Entrüstung, mit der sie den Wahrheitsgehalt ihrer Lügen verteidigen?

Dass der Leumund eines Zeugen oder Beschuldigten keine Rolle spielen soll, ist in meinen Augen ein großer Einschätzungsfehler, denn: Es gibt sie nunmal, die Menschen, die für alles auf der Stelle eine Lüge parat haben, und andererseits die anderen, die mit Lügen große Schwierigkeiten haben und versuchen, sie zu vermeiden, wo es geht.

Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass manche immer die Wahrheit sagen und andere immer lügen. Wenn hier jedoch der Wahrscheinlichkeitsfaktor eine Rolle spielen soll, dann dürfte die Vergangenheit hierbei mitunter recht bedeutsam sein.



Alice

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Re: Fall Kachelmann: Faktum oder in der 'Elsen-Falle' ...? (Teil 5)

Beitrag  Harry1972 am Mo 06 Sep 2010, 02:41

Beeindruckend fand ich vorallem das Halsband, welches Frau Simone W. so symbolträchtig trug.
Das es sich dabei nicht bloß um ein modisches Accessoire handelt, dürfte wohl jedem klar sein.

Der Auftritt von dem Medienkasper Pocher hingegen zeigt eindrucksvoll, zu welchen Schmierentheater dieser Fall verkommen ist.

Egal, wie das Urteil am Ende ausfällt. Niemand kann sich nach dem Zirkus sicher sein, ob tatsächlich Recht gesprochen wurde.
Dazu müsste es entweder ein Geständis geben oder unwiderlegbare Beweise auftauchen.


Zuletzt von Oldoldman am Mo 06 Sep 2010, 03:30 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet (Grund : Namensänderung)

Harry1972

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Re: Fall Kachelmann: Faktum oder in der 'Elsen-Falle' ...? (Teil 5)

Beitrag  Alice am Mo 06 Sep 2010, 02:45

Harry1972: Egal, wie das Urteil am Ende ausfällt. Niemand kann sich nach dem Zirkus sicher sein, ob tatsächlich Recht gesprochen wurde.
Dazu müsste es entweder ein Geständis geben oder unwiderlegbare Beweise auftauchen.
Da muss ich dir widersprechen: Zwei Menschen werden es wissen, so sicher, wie einer von diesen beiden lügt...!


Alice

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Alice

Beitrag  Harry1972 am Mo 06 Sep 2010, 02:58

Ja natürlich.
Entschuldigung, dass ich nicht geschrieben habe "Niemand, ausser Frau Simone W. und Herrn Kachelmann, kann sich nach dem Zirkus sicher sein, ob tatsächlich Recht gesprochen wurde."

Rolling Eyes


Zuletzt von Oldoldman am Mo 06 Sep 2010, 03:29 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet (Grund : Namensänderung)

Harry1972

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@Alice: Zwei, die es wissen...

Beitrag  Oldoldman am Mo 06 Sep 2010, 03:17

... nur das reicht nicht. Damit Recht gesprochen werden kann, muß die Mehrheit aus 5 dritten Personen von der Richtigkeit der einen oder anderen Version überzeugt sein / werden. Dazu der ganze Aufwand, wo bei Rechtsprechung nur in Gemäßheit der Gesetze bedeutet . Die Wahrheit gibt es vermutlich erst, wenn eines der beiden Bücher "Wenn ich es getan hätte..." auf der Buchmesse vorgestellt wird...

http://de.wikipedia.org/wiki/O._J._Simpson

Oldoldman

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@Harry & all: Eine dringende Bitte...

Beitrag  Oldoldman am Mo 06 Sep 2010, 03:25

... wir sollten uns der hier u. a. von Demokritxyz vertretenen Ansicht anschließen und den bekannten Namen des mutmaßlichen Opfers nicht verwenden. Stattdessen mag die Bezeichnung Simone W. oder, das will ich noch konzedieren, CSD verwendet werden. Ich werde, weil ich es für vernünftig halte, die Beiträge durchsehen und entsprechend redigieren, was jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Ich hoffe insoweit auf Verständnis.

Oldoldman

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Oh weh...

Beitrag  Harry1972 am Mo 06 Sep 2010, 03:43

Oldoldman,

da bringst Du mich auf einen furchtbaren Gedanken.

Ulrich Noethen und Corinna Harfouch als Kachelmann und Simone W. in einer dreiteiligen Sat-1 Eigenproduktion.
Mit schön viel Schmalz und Tränen.
Eventuell müsste Corinna Harfouch noch gegen Katja Riemann ausgetauscht werden, wenn die Harfouch zu sanftmütig rüberkommt.

...und zu Weihnachten gibt´s auf HSE-24 dann Obstmesser und Peitschen für den Gabentisch.


Was die Löschung des Namens der Frau D. aus S. angeht, muss ich vehement protestieren.
Die begründung, warum der Name nicht genannt werden sollte, erscheint völlig unlogisch.
Dann müsste ich darauf bestehen, dass mir eine bessere Begründung genannt wird und gleichzeitig wäre es dann nicht mehr wie recht und billig, den Namen des mutmaßlichen Täters gegen z.B. Jürgen B. auszutauschen, um die Persönlichkeitsrechte und den Schutz des mutmaßlichen Täters ebenfalls zu gewährleisten.


Zuletzt von Oldoldman am Mo 06 Sep 2010, 04:51 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet (Grund : Namensänderung)

Harry1972

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Och Alice, Alice Schwarzer und Bild in Variationen ...

Beitrag  Demokritxyz am Mo 06 Sep 2010, 03:44

Alice zitiert Bild:

10.25 Uhr: Alice Schwarzer sagt zu BILD: "Ich war sehr beeindruckt von der Tatsache, dass das mutmaßliche Opfer im Saal saß. Damit demonstriert sie: Hier bin ich, ich bin stark, ich verstecke mich nicht." Über Kachelmann sagt die Frauenrechtlerin: "Er sah mitgenommen und geschafft aus, eben den Umständen entsprechend.“

http://www.bild.de/BILD/news/2010/09/06/wettermoderator-joerg-kachelmann-prozessauftakt/landgericht-mannheim-ticker.html
http://ratlos-im-netz.forumieren.com/sexualitat-f14/fall-kachelmann-faktum-oder-in-der-elsen-falle-teil-5-t229-120.htm#15301
Bild.de, 06.09.2010:

WURDE SABINE W: VON DEM WETTERMODERATOR VERGEWALTIGT Kachelmann und seine Ex-Geliebte: Treffen vor Gericht
Der Prozess des Jahres: TV-Meteorologe Jörg Kachelmann (52) steht wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Mannheim vor Gericht. Nach fünf Minuten war der erste Verhandlungstag beendet. Der Grund: Ein Befangenheitsantrag gegen den Richter!

Das mutmaßliche Opfer Sabine W.* (37), Kachelmanns Ex-Geliebte, erschien überraschend im Gerichtssaal – und traf dort erstmals wieder auf Jörg Kachelmann (52). Sie wirft ihm vor, sie vergewaltigt und mit einem Messer bedroht zu haben. Der Wetter-Moderator bestreitet das.

Sabine W. tritt als Nebenklägerin im Prozess auf, muss eigentlich erst am 13. Oktober aussagen. Doch zum Prozess-Auftakt nahm sie im Verhandlungssaal Platz und zeigte sich Journalisten und Prozessbeobachtern.

„Ich war sehr beeindruckt von der Tatsache, dass das mutmaßliche Opfer im Saal saß. Damit demonstriert sie: Hier bin ich, ich bin stark, ich verstecke mich nicht", sagte Frauenrechtlerin und BILD-Berichterstatterin Alice Schwarzer.

Sabine W. fuhr im Auto ihres Anwalts Thomas Franz am Gericht vor. Sie trug eine dunkle Sonnenbrille, hielt sich die Hand schützend vors Gesicht, wollte nicht erkannt werden.


DIE ERSTE BEGEGNUNG VOR GERICHT

Kurz vor 9 Uhr betritt Sabine W. in violetter Hose und einem schwarzen Blazer den Sitzungssaal. Sie sitzt etwa zehn Meter von der Anklagebank entfernt. Ihr Blick starr nach vorn gerichtet, auch als die Strafverteidiger kurz nach 9 Uhr erscheinen.

Dann betritt Kachelmann den Raum. Sabine W. vermeidet jeglichen Sichtkontakt. Sie starrt vor sich hin, wendet sich zur ihm gegenüberliegenden Wand.

Laut elfseitiger Anklageschrift (die heute noch nicht verlesen wurde) soll Kachelmann seine damalige Freundin in ihrer Wohnung in Schwetzingen vergewaltigt haben. Nach ihrer Aussage habe er sie an den Haaren ins Bett gezerrt und ihr beim Sex ein Messer an den Hals gehalten.

Bei einer Verurteilung wegen schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit Körperverletzung drohen dem Moderator fünf bis 15 Jahre Haft. Das Urteil wird für den 27. Oktober erwartet.

Anm.: Kontrast der Aussagen, Hervorhebung Demokritxyz

http://www.bild.de/BILD/news/2010/09/06/kachelmann-nebenklaegerin-sabine-w/im-gericht-traf-sie-auf-den-wetter-morderator.html
Aber das Video auf der Seite ist höchst aufschlussreich. Der Rechtsmediziner Bernd Brinkmann sitzt am 'Tresen' der Verteidigung. Das Messer hat eine Nullspur. Und der "äußerst medienscheue" StA Lars-Torben Oltrogge lässt schon mal OStA Oskar Gattner für die Mannheimer Staatsanwaltschaft typischen Märchen zur Pressekampangne erläutern

http://www.bild.de/BILD/video/clip/news/vermischtes/2010/09/06/kachelmann-prozess-auftakt-befangenheitsantrag.html

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@Oldoldman

Beitrag  Nahr am Mo 06 Sep 2010, 03:45

Hochachtung! Danke!!!

Die permanente Wiederholung des Namens der Anzeigeerstatterin entsprach wirklich nicht dem Verständnis der übrigen Teilnehmer und hätte sie bzw. ihre Beiträge in der Gesamtheit in Misskredit gebracht.

Nahr

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Leumund und andere Kriterien...

Beitrag  Oldoldman am Mo 06 Sep 2010, 03:50

Gegenstand von dessen aussagepsychologischer Begutachtung ist aber nicht die Frage nach der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Untersuchten im Sinne einer Eigenschaft der Person. Es geht vielmehr nur um die Beurteilung, ob auf ein bestimmtes Geschehen bezogene Angaben tatsächlichem Erleben entsprechen.
_______________
aus: http://lto.de/de/html/nachrichten/1087/kachelmann-luegen-haft/
zitiert bei Alice:
http://ratlos-im-netz.forumieren.com/sexualitat-f14/fall-kachelmann-faktum-oder-in-der-elsen-falle-teil-5-t229-120.htm#15301
Allein auf den guten oder eben schlechten Leumund abzustellen, wäre genauso falsch, als sich allein auf ein Symptom des Aussageverhaltens zu verlassen, denn auch der notorische Lügner mag (ausnahmsweise) die Wahrheit sagen. Der Umstand, daß ein schlechter Leumund den mutmaßlichen Täter als notorischen Lügner ausweist, wird jedoch - und insoweit spielt die allgemeine Glaubwürdigkeit des Untersuchten im Sinner einer Eigenschaft der Person doch eine Rolle - dazu führen, ihn kritischer zu betrachten, seine Worte und sein Verhalten genauer abzuprüfen. Ebenso wird ein Gericht bei einem Medienprofi in Rechnung stellen, daß er besser in der Lage ist, sein Verhalten der Situation anzupassen und zu kontrollieren. Das macht die Aufgabe für ein Gericht so schwierig.

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Dr. Reinhard Birkenstock gibt Begründung zu den Befangenheitsanträgen nicht preis, aber ...

Beitrag  Demokritxyz am Mo 06 Sep 2010, 03:55

MEEDIA, 06.09.2010:

Anwälte halten Richter für voreingenommen

Kachelmann: 67 Seiten Befangenheitsantrag

Es ist der Prozess des Jahres, doch der erste Verhandlungstag dauerte nur wenige Minuten. Noch bevor vor dem Landgericht in Mannheim am Montagmorgen die Anklage gegen Jörg Kachelmann wegen schwerer Vergewaltigung verlesen werden konnte, vertagte sich die Kammer. Grund ist ein Befangenheitsantrag der Anwälte des TV-Moderators, dessen Gründe in einem 67 Seiten umfassenden Schriftstück aufgelistet sind. Damit wollen die Verteidiger erreichen, dass der Vorsitzenden Richter Michael Seidling abgelöst wird.

Bereits gestern schickten Kachelmanns Anwälte das Schreiben per Fax an die Geschäftsstelle, weshalb heute nicht einmal die Anklage verlesen wurde. Der Antrag erstreckt sich auch auf eine beisitzende Richterin. Ein schnelles Ende für den ersten Verhandlungstag, zu dem auch das mutmaßliche Opfer erschienen war. Die 37-jährige Radiomoderatorin wird als Nebenklägerin gleichfalls von einem Anwalt vertreten. Am kommenden Montag, 13. September, soll der Prozess fortgesetzt werden.

Im Verfahren geht es um die Anschuldigung von Kachelmanns Ex-Freundin, nach deren Aussage der Moderator sie vergewaltigt und mit dem Tode bedroht habe, nachdem sie ihn auf seine zahlreichen Affären angesprochen und die Beziehung beendet hatte. Vier Monate saß der 52-Jährige deshalb in Untersuchungshaft, am 19. Mai erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Ende Juli wurde er entlassen, weil Gutachten die Angaben der Frau dem Oberlandesgericht Karlsruhe zufolge nicht eindeutig stützten und es denkbar sei, dass die Anschuldigungen erfunden seien.

Auf Journalistenfragen erklärte Kachelmann-Verteidiger Reinhard Birkenstock, dass er zu Einzelheiten des Befangenheitsantrags gegen Michael Seidling und die Richterin Daniela Bültmann keine Auskunft geben werde. Birkenstock warf den Behörden, besonders der Staatsanwaltschaft, vor, sie hätten gezielt "die Medien gegen Herrn Kachelmann eingesetzt". So seien Falschinformationen breit gestreut worden, wie etwa, dass es DNA-Spuren des Moderators am "Tatmesser" gegeben habe, was nicht der Wahrheit entspreche.

Es ist aber davon auszugehen, dass sich das Begehren im Kern auf die Begründung stützt, mit der Vorsitzende Richter die Haftbeschwerde Kachelmanns abgelehnt hatte. Darin hatte Seidling ausgeführt, die Einlassungen des mutmaßlichen Opfers seien glaubwürdig, die des Inhaftierten dagegen nicht. Zudem soll Seidling bei der Frau vom "Opfer" gesprochen und damit seine Voreingenommenheit ausgedrückt haben. Zudem soll der Richter gemeinsame Bekannte mit dem Vater der früheren Partnerin Kachelmanns haben.

Aufgrund der Aussage der 37-Jährigen Radio-Moderatorin war Kachelmann nach seiner Rückkehr von den Olympischen Winterspielen in Vancouver am 20. März am Flughafen in Frankfurt verhaftet worden. Sie ist im Prozess als Nebenklägerin vertreten und war zum Verhandlungsbeginn im Landgericht erschienen. Zum Prozess hat Kachelmann sein Anwaltsteam ergänzt und wird nun auch von der Heidelberger Strafverteidigerin Andrea Combé vertreten.

http://meedia.de/nc/details-topstory/article/kachelmann--250-seiten-befangenheitsantrag_100030061.html?tx_ttnews[backPid]=23&cHash=7058b359ec

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Re: Fall Kachelmann: Faktum oder in der 'Elsen-Falle' ...? (Teil 5)

Beitrag  Nahr am Mo 06 Sep 2010, 04:14

5.09.10|
Welt.de
Prozessbeginn

Schlammschlacht des Jahres – Die Akte Kachelmann
Sex, Lügen und Schuldzuweisungen: Der Moderator steht ab Montag wegen Vergewaltigung vor Gericht. Das dürfte die Schlammschlacht des Jahres werden.
Jörg Kachelmann und der Vergewaltigungsvorwurf
Natürlich gab es den Fall Weimar. Die Mutter aus Hessen, die ihre beiden Mädchen ermordet haben soll. Von 1986 an hielt der Prozess Deutschland in Atem, mit Wiederaufnahmen 14 Jahre lang.
Es gab auch den Rummel um die ätherische Marianne Bachmeier. Die schöne Frau hatte 1981 im Gerichtssaal den Mörder ihrer Tochter erschossen. Zur Verurteilung rückten TV-Teams aus aller Welt an.
Nein, das Verfahren gegen Jörg Kachelmann, das in Mannheim startet, ist nicht der erste Prozess, der Journalisten zu Jägern macht und Deutschland in seinen Bann schlägt. Und doch hat die „Causa Kachelmann“ eine nie da gewesene Qualität. Derart intensiv und in Echtzeit hat eine Deutungsschlacht über Schuld oder Unschuld nie stattgefunden, jedenfalls nicht bevor ein Verfahren überhaupt eröffnet wurde.
In immer neuen Wellen gelangte Schmutz an die Öffentlichkeit, Kachelmann-Geliebte hüpften wie geklont auf Titelseiten und plauderten Intimstes aus. Expertisen wurden zerpflückt, bevor sie fertig getippt waren, noch vor Prozessbeginn schlugen sich selbst seriöse Medien klarer als je zuvor auf die eine oder andere Seite.
Internet-Blogger, auch das hat Deutschland so noch nie erlebt, beschimpften das mutmaßliche Opfer und veröffentlichten dessen vollen Namen, sogar die Adresse im Netz. Es war zum Glück die falsche.
Jörg Kachelmann hat sich selbst als „viertklassigen TV-Prominenten“ bezeichnet, und er liegt mit dieser Tiefstapelei eigentlich richtig. Der Mann ist, um Himmels willen, nicht US-Präsident, sondern ein Wettervorhersager aus den Schweizer Bergen.

Er wird zwar einer schlimmen Tat beschuldigt, aber er hat weder gemordet noch Staatsgeheimnisse verraten. Selbst eine angebliche Vorliebe für multiple Affären sollte erwachsene Menschen im Jahr 2010 kaum noch irritieren. Und doch tut es das. Seit mehr als fünf Monaten.
Denn offensichtlich funktioniert der Fall Kachelmann als ideale Massenablenkung und interessiert in Wohnzimmern, Internetforen, Büros, an Stamm- und Kantinentischen gleichermaßen. Das virtuelle Richterspiel wird durch die realen Zutaten Sex, Gewalt, Prominenz so reizvoll wie sonst ein großes Sportereignis. Live und vor laufender Kamera klären alle gemeinsam den Fall auf und beantworten die Schuldfrage. Daumen hoch, Daumen runter: „Barbara Salesch“ trifft sich mit Justitia im „Big Brother“-Haus.
Und keine Frage: Wenn der Prozess läuft und die zwei Dutzend Zeugen zum Fall befragt werden, wird das Aufmerksamkeitsfeuer weiter lodern.
Hier erfahren Sie mehr zu Kachelmanns Imperium
Mindestens ein halbes Dutzend Ex-Geliebte Kachelmanns sind vorgeladen, die wohl mehrheitlich glaubten, alleinige Freundin zu sein. Und es gibtgenug Hinweise, dass sie mit großer Detailfreude aus ihrem Leben mit dem Moderator plaudern werden. Abgerechnet wird zum Schluss.
Kein Drehbuchautor hätte die „Akte Kachelmann“ zudem besser bestücken können. Zuerst die Überraschung: Am 20. März wird der Prominente am Flughafen verhaftet, er kam gerade aus Kanada. Dann verbreitet sich folgende Geschichte vom Pfui-Pfui im Ikea-Ambiente, mit einer schönen Sex-Sklavin als (mutmaßlichem) Opfer, einem (mutmaßlichen) Täter, der zwei Gesichter hat – Dr. Jekyll und Mr. Hyde.
Ein gewiefter Kölner Promi-Anwalt trifft auf einen hungrigen, jungen Ankläger aus der Provinz. Und vor allem: Aussage steht gegen Aussage. Man wird vermutlich nie sicher wissen, was wirklich geschah. Daher ist gar nicht so wichtig, was die echten Richter am Ende entscheiden.
Nur eines droht bei all dem in Vergessenheit zu geraten: In der Akte stecken richtige Schicksale. Es geht um echte Menschen, die wahrhaftig leiden, nicht nur auf dem Bildschirm, nicht in einer Vorabend-Seifenoper.
Kachelmann hat schon jetzt seinen Ruf und 132 Tage Freiheit verloren, vielleicht geht er für lange hinter Gitter. Die Nebenklägerin ist angeschlagen, kaum mehr arbeitsfähig, seit Monaten in Therapie. In der „Akte Kachelmann“, sollte sie wie geplant nach 25 Zeugenaussagen und 13 Prozesstagen am 27. Oktober geschlossen werden, finden sich letztlich nur Verlierer. Besiegte für eine lange Zeit.

Das mutmaßliche Opfer

Sabine W. (Name geändert) kann sich in der blitzsauberen Spargelstadt Schwetzingen unbehelligt bewegen. Noch. Zwar erkennt der eine oder andere Nachbar oder Ex-Kollege Sabine als die Frau, die Jörg Kachelmann anzeigte. Doch noch kann sie, wie jüngst, in Ruhe im DM-Markt ein paar Kleinigkeiten einkaufen, am Schwetzinger Schlossgarten entlang Richtung Nordwesten spazieren, vorbei am Edel-Italiener „Delle Rose“, einem der von Jörg Kachelmann favorisierten Restaurants.
Vor der biederen Siebziger-Jahre-Siedlung, wo sie ein Dachapartment bewohnt, ist kein Polizeischutz postiert, auch wenn das einige Zeitungen behaupten. Ihr voller Name klebt an Türklingel und Briefkasten. Der Mannheimer Prozess, wo die Radiofrau als Nebenklägerin auftritt, könnte das ändern. Sie muss und wird erklären, was in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 geschah.
Sabine ist 37, blond, mittelgroß, schlank, sportlich. Mit 18 lief sie die 100 Meter Hürden in beachtlichen 13,91 Sekunden. Die Verteidiger von Kachelmann werden womöglich die Fitness der gelernten Medientechnikerin ins Spiel bringen: Lässt sich eine Frau mit derart kräftigen Beinen und guter Konstitution tatsächlich kampflos überwältigen? Jörg Kachelmann dagegen ist nie sonderlich gut trainiert gewesen, daran erinnert sich sogar sein 88 Jahre alter Lehrer: „Fürs Turnen hatte er wenig Talent.“
Diese Bloggerin glaubt an Kachelmanns Unschuld
Bekannte beschreiben die Frau als nett und hübsch, als harmoniebedürftig und nicht sehr selbstbewusst. Eher introvertiert und überpenibel sei sie, heißt es, stets bemüht, ja keine Fehler zu machen, allen zu gefallen.
Zu einem privaten Sender, ihrem Arbeitgeber, will die gutbürgerliche Lehrertochter nicht recht passen. Sie sei „kein verrücktes Huhn“, sagen Ex-Kollegen, auch kein Vamp, nach dem Männer den Kopf drehen würden, sondern eher unauffällig und schüchtern. Dass sie eine Vergewaltigung inszeniere und freiwillig der öffentlichen Attacke aussetze, kann sich in ihrem Umfeld niemand vorstellen.
Stattdessen kursieren im Ort Gerüchte, die Kripobeamten, zu denen Sabine W. am Morgen nach der mutmaßlichen Tat kam, hätten sie im „schlimmen Zustand“ erlebt; nie und nimmer könne sich jemand selbst in diese Verfassung befördern.
Aber im Fall Kachelmann kam schon so vieles zutage, was nie und nimmer jemand vermutet hätte.
Die Anklage wird Sabine W. bei ihrer sehr wahrscheinlich nicht öffentlichen Aussage auf jeden Fall als glaubwürdig präsentieren wollen, obwohl sie bei der Vernehmung nach der Tat nachweislich gelogen hat: Sie hatte auf dem eigenen PC einen Brief getippt, der Kachelmanns Verhältnis mit einer anderen Frau aufdeckte, und dafür einen anonymen Absender erfunden. Die Anklage nimmt ihr ab, dass sie lediglich glaubwürdiger erscheinen wollte. Und dass ansonsten alle anderen Schilderungen des Tatabends stimmten.

Zumindest dass Sabine W. und Kachelmann tatsächlich elf Jahre lang ein inniges, auf eine gemeinsame Zukunft gerichtetes Verhältnis pflegten, wie sie stets aussagte, lässt sich in Schwetzingen aber nicht belegen. Die beiden wurden kaum miteinander gesichtet.
Aussagen von Wirten, die nach Kachelmanns Verhaftung von früheren Besuchen der „Turteltäubchen“ berichteten, erwiesen sich zumindest teilweise als erfunden. So gab ein Kneipier hinter vorgehaltener Hand zu, Kachelmann sei nie bei ihm gewesen; doch die vielen Fernsehkameras seien zu verführerisch gewesen. Erstklassige Werbung eben.
Dafür, dass das Paar beim Edelitaliener „Delle Rose“ dinierte, gibt es eine Bestätigung durch Beobachter in zwei Fällen. In elf Jahren Beziehung ist das wenig. Offenbar spielte sich die Affäre fast ausschließlich in Sabines Dachwohnung ab. Dafür wurde Kachelmann im Dezember 2009 im nahe gelegenen Speyer mit einer schwarzhaarigen Dame beim Dinner gesichtet. Es sei ihm sichtlich unangenehm gewesen, sagt ein Beobachter. Den Tisch habe die Dame auf einen anderen Namen reserviert. Eine weitere Geliebte?
Sabine W. hat über die angebliche Vergewaltigung ausgesagt, Kachelmann habe an dem Abend zugegeben, dass er in all den Jahren beinahe ein Dutzend andere Frauen hatte. Er sei krank, habe einen Hass auf Frauen. Kachelmanns Verteidiger halten Sabine W.s Darstellung für eine von Seifenopern inspirierte Erfindung.

Der mutmaßliche Täter

Wie glaubwürdig ist also Jörg Kachelmann, wenn er den Sex am Tatabend als einvernehmlich schildert? Auch bei ihm, wie bei Sabine W., steht fest: Er ist zur Lüge in der Lage und gewillt. Mehrere parallel gepflegte Liebschaften beweisen das unwiderlegbar.
Schon im Gefängnis und seit seiner Freilassung am 29. Juli hat er stets seine Unschuld beteuert.
Der gebürtige Deutsche, der erst später den Schweizer Pass bekam, war wohl ein umgänglicher Teenager, aber kein sehr auffälliger. Als „fröhlich“ beschreiben ihn mehrere Mitschüler aus Schaffhausen, wo er die Jugend verbrachte, als „unterhaltsam“, „witzig“ oder „lustig“, ein „Spaßvogel“ eben.
Andere hielten ihn für schüchtern, als Mädchenheld habe er jedenfalls nicht von sich Reden gemacht, darin sind sich alle einig. Die Lehrer der Kantonsschule erinnern sich an einen guten Schüler. Ihm seien die Dinge leicht gefallen, sagt einer, er habe die Dinge leicht genommen, ein anderer.


der Vater war Eisenbahner aus Franken, der Beruf führte ihn ins Grenzgebiet. Kachelmann klang immer stolz, wenn er über seine Herkunft sprach, führte sogar eines seiner späteren Markenzeichen darauf zurück. „In Eisenbahnerhaushalten, da wird so geredet, wie geredet wird“, sagte er 2002. Schon sein Vater habe gesagt, „es schifft“, manchmal auch: „Es seicht“.
Mit derlei charmanten Anekdoten zeigte Kachelmann Offenheit, zugleich hielt er sein Privatleben so beharrlich unter Verschluss wie nur wenige Prominente – was sich im Nachhinein natürlich erklärt.
Vieles in seinem Leben ist undurchschaubar: Warum brach er 1983, kurz vor dem Abschluss, sein Studium ab? Einem Reporter sagte er, er habe damals genug über Meteorologie gewusst, einem anderen gegenüber behauptete er, das Geld habe gefehlt.
Und 1996 in einer Talksendung von „Telezüri“ gab er sogar an, er sei in seiner Jugend und als Student sexuell von einem „Ausbilder“ missbraucht worden. Was stimmt? Stimmt überhaupt etwas?
________________________________________
Der Fall Jörg Kachelmann:

Kachelmann mag ein „Frauentyp“ gewesen sein, bei Männern kam er offenbar nicht immer so gut an. „Er wusste immer alles besser, und wenn etwas schief ging, waren grundsätzlich die anderen schuld.
Er legte sogar Dossiers über Leute an, von denen er fand, sie sollten gefeuert werden, und schwärzte sie dann damit bei den Chefs an“, sagt ein Ex-Kollege, der aus Angst vor Kachelmanns Anwälten anonym bleiben will. Immer schon hatte Kachelmann gern gegen Presseveröffentlichung geklagt, die ihm nicht passten. Am meisten regte ihn auf, dass der „Blick“ 1998 über seine Scheidung berichtete. Immerhin hatte er es mehr als ein Jahrzehnt lang geschafft, seine erste Ehe geheim zu halten.
Einen Posten als Journalist soll er gekündigt haben, indem er einen Zettel an seinen Computer klebte. Er habe Krebs, sei darauf gestanden, erinnert sich ein Ex-Kollege. Alle waren sehr besorgt – und stutzten umso mehr, als Kachelmann einige Zeit später seine erste Firma gründete. „Er war ein fürchterlicher Lügner“, sagt der einstige Kollege heute. „Damit hat er letztlich alle verprellt.“
Ein Bekannter spottet heute, Kachelmann habe eine „logistische Meisterleistung“ hingelegt, indem er seine zahlreichen Geliebten so koordinierte, dass sie nichts voneinander mitbekamen. „Vielleicht erklärt das seine zeitweilige optische Verwahrlosung.“


Bei Kachelmann habe sich die Besessenheit womöglich über Jahre aufgeschaukelt, mutmaßt ein anderer. „Erst waren es ein paar Seitensprünge. Dann wollte er mehr. Es ist wie bei dem süchtigen Computerspieler, der ein immer höheres Level braucht und am Ende stets scheitert.“
Mitbekommen haben das aber offenbar wenige direkt, selbst wenn sie so eng mit ihm arbeiteten wie Jürgen Vogt. Er war von 1992 an bei Kachelmanns Firma Meteofax Geschäftsführer.
Bis 2001 wirkte er an Kachelmanns Seite, manchmal 14 Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Er hält ihn noch heute für den „absolut besten Meteorologen, den ich kenne“. Doch nach 2001 gab es über Jahre keinen Kontakt mehr. Vogt hatte sich selbstständig gemacht als Naturfilmer und Fernsehproduzent.
Am 22. März 2010 jedoch, einem Montag, fand der dreifache Vater plötzlich 78 Anrufe auf seinem Handy vor, als er von einer Unterwassertour zurückkam. Kachelmanns Verhaftung war publik geworden und Vogt ein gesuchter Mann.
Journalisten wollten Frauengeschichten hören, ehemalige Konkurrenten hinterließen hämische Kommentare. Vogt fand das schäbig und meldete sich bei keinem. Vermutlich musste er auch selbst erst verarbeiten, dass ihm diese dunkle Seite des Weggefährten verborgen geblieben war.


Als Meteorologen stellten die beiden gemeinsam ihr Können unter Beweis. Als Betriebswirte zeigten sie weniger Fortune. Die Firma stand mehrfach vor der Pleite. Mitte 1999 stieg dann zusätzlich der Münchner Verleger Frank B. Werner („Euro am Sonntag“) ein, der das Wetterschiff in jahrelanger Sanierungsarbeit wieder flott machte.
Dass Kachelmann nach seiner Entlassung aus der U-Haft ausgerechnet mit diesem Helfer in der Not im Streit liegt, befremdet Vogt. Und Kachelmanns Allüren, offenbar gleich mehreren Frauen ein Heiratsversprechen zu geben? Jürgen Vogt schweigt. Das Thema berührt ihn unangenehm. Vielleicht fühlt er sich ja auch ein klein wenig wie die Frauen: angelogen, betrogen.

Peter Wick, dem Chef der Konkurrenzfirma Meteonews, ist Kachelmann vor allem in seiner Widersprüchlichkeit in Erinnerung. „Diese Tollpatschigkeit war schon sympathisch.“ Aber Kachelmann habe sie wahrscheinlich auch bewusst gepflegt, um Menschen zu gewinnen. Das etwas schmuddelige Auftreten könnte sogar narzisstisch oder eitel sein. „Er war zudem nicht immer nur charmant, sondern konnte tiefschwarz sarkastisch sein. Er hatte tatsächlich zwei Seiten.“
Kachelmann versteht sich auf jeden Fall auf die Inszenierung. Bei seiner Freilassung aus der Mannheimer U-Haft umarmte er demonstrativ einen Aufseher – als habe man sich eben besonders gemocht und geschätzt. „Das war reine Show“, urteilt hingegen ein Insider. „Innerhalb der Gefängnismauern wäre so eine intime Geste zwischen Häftlingen und Vollzugsbeamten undenkbar.“

Das Gericht

Auch die Mannheimer Justiz kann beim Fall Kachelmann eigentlich nicht mehr wirklich gewinnen. Wird Kachelmann verurteilt, ruft seine Anhängerschar laut „Justizskandal“, und die Verteidigung legt Revision ein. Spricht der Vorsitzende Richter der 5. Großen Strafkammer, Michael Seidling, den Schweizer frei, dann wird genau derselbe Ruf laut, nur aus der anderen Ecke.
Elf Seiten stark ist die Anklage des 36-jährigen Staatsanwalts Lars-Torben Oltrogge. In einem großen, publikumsträchtigen Verfahren wie diesem hat der junge Jurist keine Erfahrung, zumal der Fall auf sehr schwieriges Terrain führt.
Oltrogge wurde schon mehrfach dafür kritisiert, Anklage erhoben zu haben, obwohl noch nicht alle Gutachten vorlagen. Selbst neutrale Beobachter wie der Berliner Strafrechtsprofessor Alexander Ignor sehen das kritisch: „Anklagen darf man ja erst, wenn ausermittelt ist.“ Manche Kritiker unterstellen dem jungen Staatsanwalt daher, ihm gehe es nur die um Publizität.
Die Justiz in Mannheim, sagen Kenner, sei bei ohnehin ungewöhnlich gnadenlos. Weiter südlich hätte man einen Prominenten bei dieser Beweislage nicht verhaftet.


Dieser Meinung ist auch der SAP-Gründer Dietmar Hopp. Der Milliardär gründete 2004 die Stiftung Pro Justitia, nachdem er sich durch eine Hausdurchsuchung von den Mannheimern ungerechtfertigt verfolgt sah.
Sowohl die Verteidigung als auch die Anklage haben mehrere Gutachten veranlasst, die sich zum Teil diametral widersprechen, also gegenseitig mithin neutralisieren. Kritiker sprechen schon von einer „Gutachteninflation“ – und zahlreiche Details sind bereits jetzt an die Öffentlichkeit gelangt. Dabei zeigte sich, dass viele der Expertisen tatsächlich von beiden Seiten zur Argumentation genutzt werden könnten.
Der Karlsruher Strafverteidiger Klaus Schroth, der Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock bei der Haftbeschwerde unterstütze, beklagt diese außergewöhnliche Medialisierung. „Ein Strafprozess ist die Auseinandersetzung des Staates mit einem Bürger, der möglicherweise gegen das Gesetz verstoßen hat“, sagt Schroth. „Wenn die Allgemeinheit das schon vorweg nimmt, weil der Prozess bereits in den Medien geführt wurde, ist die Objektivität nicht mehr gegeben.“
JVA-Mannheim. Hier saß Kachelmann ein
Fünf bis 15 Jahre Haft erwarten Kachelmann, sollte er verurteilt werden. Bei einem „Freispruch erster Klasse“ hingegen sähe das Gericht Kachelmanns Unschuld als unzweifelhaft erwiesen an. Nur in diesem Fall könnte Kachelmann zivilrechtlich auf Schadenersatz klagen.
Für die Untersuchungshaft stünde ihm hingegen auch im Falle eines Freispruchs zweiter Klasse eine Entschädigung zu. Der Satz liegt bei 25 Euro pro Hafttag, macht für 132 Tage also 3300 Euro. Darüber hinaus hätte Kachelmann Anspruch auf eine Rückzahlung des Verdienstausfalls, abzüglich Kost und Logis wohlgemerkt. Kein Gesetz der Welt kann den Schaden beheben, den alle Beteiligten von dem Fall haben. Verlierer überall.
Es berichten: Hannelore Crolly, Elisalex Henckel, Miriam Hollstein, Uwe Müller

Hervorhebungen: z.T. Nahr

http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article9396557/Schlammschlacht-des-Jahres-Die-Akte-Kachelmann.html

Nahr

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Antwort auf Posting von Alice

Beitrag  Gast am Mo 06 Sep 2010, 04:41

zu: ›Alice Gestern um 14:11‹

»Hätte sie sich aufs Bett gelegt, wie gewünscht, wäre es zum sofortigen Sex gekommen. Wer sich selbst auch nur ein bisschen kennt, weiß, dass es nach einer befriedigenden Nummer sehr viel schwerer ist, eine Grundsatzdiskussion zu erörtern, oder? Frau ist glücklich und gesättigt, wer hat da noch den Mut, über Flugreisen mit anderen zu beginnen und unter Umständen einen Schlussstrich zu ziehen?«

Das ist die Crux solcher Argumentationen: darauf, was man selber in bestimmten Situationen gemacht hätte, kommt es nicht an. Es gilt, sich in fremdartige Befindlichkeiten anderer hineinzudenken; und eine Frau, die schon seit dem Verdacht des Fremdgehens des Geliebten Ende 2008 Angst davor hat, das Thema aufs Tapet zu bringen, weil dies zum Anlaß einer Beendigung der Beziehung durch den Partner genommen werden könnte, unterwirft sich vielleicht doch eher der von IHM geplanten Inszenierung für den Abend, um die eigene umso wirkungsvoller entfalten zu können. Und legt die vorsichtige Thematisierung des Fremdgehens erst nach der üblichen, den Partner befriedigenden Routine, auf den Wohnzimmer-Tisch. Also nach dem Sex und nach dem Essen, wie es der telefonisch verabredeten Planung entsprach. Davon, daß die Zeugin diese von JK behauptete Absprache bestritten habe, habe ich jedenfalls nichts gelesen.

»Ich bezweifle keinen Augenblick, dass "Simone" in der Tat mehrmals gefragt hat, ob er sie liebt.«
Laut SPIEGEL hat sie ihn (so die Aussage des Beschuldigten) während des Geschlechtsverkehrs danach gefragt. Der in diesem Fall ein einvernehmlicher gewesen sein muß.

»Umso schlimmer ist dann der Schock beim Lügner, wenn er mit diesen Flugtickets konfrontiert wird. Da fühlt man sich richtig reingelegt. Auch mir haben Erfahrungen mit zwanghaften Lügnern mehr als einmal gezeigt: Gewohnheitsmäßige Lügner werden richtig wütend, wenn sie sich erwischt fühlen. Insofern "passt" auch der weitere Verlauf der Geschichte nach "Simone".«

Schon wieder das Phänomen des von-eigenem-Erleben-auf-andere-Schließens. Zunächst gab es ein mattes, routiniert-lügnerisches Bestreiten einer Nebenbeziehung, was leichtfiel, denn Flugtickets von 2008 und ein anonymer Brief sind ja keine „Beweise“. Danach ergriff JK allerdings ohne Not – daß sie ihn damit konfrontiert hätte, von Isabella M. im Januar erfahren zu haben, daß die Beziehung noch existiere, ist nicht belegt und erscheint auch unwahrscheinlich – die Gelegenheit, durch die Wahrheit aus der Beziehung auszusteigen, wie ›Simone‹ es ja schon seit 2008 befürchtet hatte. Die goldene Brücke ›Wenn mit der jetzt Schluß ist, verzeihe ich dir‹ hat er nicht betreten. Er wäre in diesem Fall auch in Teufels Küche gekommen, denn da gab es ja noch drei weitere laufende Beziehungen... Letztlich hat er also gestanden und angedeutet, daß Isabella M. nicht einmal die Einzige sei. Da konnte ›Simone‹ nicht mehr zurück und mußte Schluß machen, andernfalls sie ihre Selbstachtung verloren hätte. Daß in Wahrheit er (durch sein Geständnis) Schluß gemacht hat, weiß sie auch. Das war ein Schock für sie, nicht für ihn. Bis zu diesem Punkt laufen beide Aussagen ziemlich parallel, Unterschiede gibt es lediglich dahingehend, wie umfangreich sein Geständnis war. Und ob er einen allgemeinen „Frauenhaß“ bekundet hat, der nur vor ihr haltmache, oder nicht. Das „Austicken“, die Verwandlung in einen Mr. Hyde mit böse glitzerndem Blick, soll nach ihrer Aussage durch ihre Beendigung der Beziehung verursacht worden sein. Diese plötzliche Verwandlung setzt der normalpsychologischen Einfühlung in die Situation Grenzen; die Gutachterin Greuel hielt ein solches Verhalten jedenfalls hypothetisch unter Zugrundelegung einer narzißtischen Störung (offenbar mit Krankheitswert) bei Kachelmann für möglich, wie im FOCUS zu lesen war. Eine Ferndiagnose stellt diese Erörterung nicht dar.

»Aus meiner (lückenhaften) Erinnerung: Am Tatmesser waren DNA-Mischspuren und gemischten Fingerabdrücke, dass beide zu Jörg Kachelmann gehörten, konnte weder bewiesen noch ausgeschlossen werden.«

Am Tatmesser gab es gar keine Fingerabdrücke, es gab auch keine Blutspur der Zeugin, sondern nur eine miskropisch kleine Blutspur, bei der es sich auch um Tierblut gehandelt haben kann. Das verwundert nicht, denn das einzige rechtsmedizinische Gutachten, das eine Verursachung der Halskratzer durch das Messer überhaupt für möglich hält, geht von einem Kontakt mit dem Messerrücken aus. Der aber nicht geeignet ist, die Haut bis zum Blutaustritt zu ritzen. Es gab auf dem Messer eine Hautzelle der Zeugin und das Fragment einer DNA-Spur, als deren Verursacher JK nicht ausgeschlossen werden konnte, was Null Beweiswert hat. Der Rechtsmediziner Dr. Brinkmann, den das Landgericht sich geweigert hat, zu laden, geht von einer Übertragungsspur durch die Zeugin aus, die den Partner vorher berührt hat. Das Messer soll der Angeklagte minutenlang in der Hand gehalten haben. Am Tamponfaden, den er nach ihrer Aussage sekundenlang in der Hand gehalten hat, gab es eindeutige DNA-Spuren von ihm. Sollte dieser Umstand nicht zum Nachdenken anregen?

»Die Sache mit dem Laken ist in der Tat sehr "speziell". Allerdings: Sollte sie stimmen, ist deutlich, warum sie "nachgeschoben" werden musste! Oder hätte es bei einer Anzeigenerstattung einen Grund gegeben, dies zu erwähnen? Wohl eher nicht!
Da bei "Kachelmanns" wohl offensichtlich sehr vieles ritualisiert wurde und nicht gerade gewöhnlich war, kann ich mir ebenfalls vorstellen, dass das benutzte Laken für "Simone" einen gewissen Fetischcharakter hatte. Im Bereich der sexuellen Perversionen muss man sich immer wieder vor Augen halten, dass es a) nichts gibt, was es nicht gibt und b) für gewisse "Vorlieben" einer eigenen Logik bedarf, die von "Unbedarften" auch nicht verstanden werden muss.«

Es gab ein Handtuch im Badezimmer, auf dem sich seine Sperma- wie auch ihre (Menstruations)Blutspuren befanden. Auf dem Laken befand sich kein Blut (soweit es in der Presse zu lesen war). Was liegt näher, als anzunehmen, daß das Handtuch zuvor zum Schutz eines reinen Lakens aufgelegt wurde, wie Frauen das allgemein machen, wenn sie ihre Tage haben? Ein Erinnerungs-Fetisch hat schließlich ausgedient, wenn der geliebte Mensch in personam wieder in Erscheinung tritt. Spätestens dann dürfte doch ein frisches Laken aufgezogen werden (allgemeine Lebenserfahrung).

Ȁhm, sprichst du jetzt von den Gutachten, die von der Verteidigung in Auftrag gegeben wurden und anscheinend vor Gericht keine Verwertung finden werden?
Ich meine, das Gutachten von Prof. Greuel schließt in seinem Fazit eine Schuld von Seiten Jörg Kachelmann nicht aus, auch wenn es Unstimmigkeiten in der Zeugenaussage des mutmaßlichen Opfers gibt - was von einigen Spezialisten mit einschlägigen Erfahrungen im Bereich der sexuellen Gewalttaten als keineswegs ungewöhnlich eingestuft wird...?«

Es ist symptomatisch, daß die Fakten nicht zur Kenntnis genommen werden, wenn ideologische Brillen aufgesetzt sind. Es gibt drei aussagepsychologische Gutachten der Verteidigung anhand einer Aktenanalyse, die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussage formulierten. Die konnte der Staatsanwalt aus eigener Sachkunde nicht ausräumen, so daß er gezwungen war, ein richtiges Aussagegutachten bei Prof. Luise Greuel in Auftrag zu geben. Dieses bestätigte die drei Vorgutachten und kam zu dem Schluß, daß eine Erlebnisbasierung der Schilderung nicht belegt werden könne. Ob die Lückenhaftigkeit und objektive Fehlerhaftigkeit der zur Überführung untauglichen Aussage an der Absicherung des Aussagemanagements einer Falschaussage [ZEIT] oder an traumatischen Prozessen [FOCUS, Staatsanwaltschaft Mannheim] lag, konnte die Gutachterin nur diskutieren und nicht entscheiden, eben deshalb, weil eine Verankerung des Erzählten im eigenen Erleben nicht zu bestätigen war.

»"Bewiesen werden" kann eine sexuelle Gewalttat in den seltesten Fällen! Ich denke, das ist jetzt hinlänglich durchgekaut worden...? Am Ende muss das Gericht wohl eher von Schuld oder Unschuld des Angeklagten überzeugt werden, das hat eine ganz andere Qualität als der Satz, der Vorwurf müsse bewiesen werden.«

Richterliche Überzeugung ist kein Bauchgefühl. Sie muß nachprüfbar dargelegt werden und bestimmten Kriterien genügen, die die höchstrichteriche Rechtsprechung vorgibt.
In der Weltwoche vom 12.8.2010 heißt es zu dem 14-seitigen Beschluß des Oberlandesgerichts Karlsruhe; »Dass sie ihre falschen Aussagen in vier Vernehmungen aufrechterhalten habe (selbst gegenüber ihrem Therapeuten), «erschüttert zweifellos die Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin». Weiter heisst es in dem Beschluss: «Die Nebenklägerin hat ein nicht unbeachtliches Fantasie- und Beharrungsvermögen unter Beweis gestellt. Dadurch, dass sie auch unter Befragungsdruck ihre Falschangaben durchgehalten hat, hat sie ihre Fähigkeit zur Konstruktion und Aufrechterhaltung einer Falschaussage unter Beweis gestellt.» Die Landesrichter zweifeln fundamental an den Aussagen der Radiojournalistin: «Dieses Aussageverhalten der Nebenklägerin erschwert auch und insbesondere die Ermittlung des Wahrheitsgehalts ihrer Angaben zum Vergewaltigungsvorwurf, dem Kerngeschehen.» Die Zeugenaussage zur angeblichen Vergewaltigung sei «wenig detailreich» und genüge nicht den «erhöhten Anforderungen» an die Glaubhaftigkeit eines derart schwerwiegenden Vorwurfs.« Hier werden die Leitlinien einer richterlichen Überzeugung dargelegt.

»Jörg Kachelmann hatte niemals vor, diese (Liebes)Beziehung zu beenden«

Nein, das wohl nicht angesichts seiner übergroßen Liebesbedürftigkeit. Aber daß ihm alles über den Kopf wuchs, er schlicht nicht mehr konnte (und so ab fünfzig soätestens setzt sowieso die Sinnkrise ein), daß ihn das Management dessen überforderte, was er da in seiner leichter Entflammbarkeit angesichts all dieser Versuchungen angerichtet hat, ist wohl offensichtlich. Aber wer geliebt werden will und den Frauen daher ständig sagt, was sie jeweils hören wollen, kommt so leicht aus dem selbstgeknüpften Spinnennetz auch nicht wieder heraus und ist froh über jede Möglichkeit, ohne verletzen zu müssen den Notausgang zu erreichen.

»Nach der bürgerlichen Norm hast du mit Sicherheit Recht, wenn du Simones Existenz ab nun für "gescheitert" erklärst.«

Ich habe nur versucht, ihr eigenes Lebensgefühl objektivierbar nachzuvollziehen: »Ich habe ja nichts mehr, sagte sie der Gutachterin Greuel, er hat mir mein ganzes Leben genommen.« [SPIEGEL]
(Und ja, stimmt, von Techno-Musik habe ich keine Ahnung!!!)

Der Abend verlief nach beider Darstellungen ohne »Peitsche«, so daß das Utensil, falls nicht zur Selbstbeibringung der Halskratzer verwandt, wie eines der rechtsmedizinischen Gutachten nahelegt, keine Beweiskraft hat. Und der Fundort des Messers sagt gar nichts aus, denn im Zuge der Aufräumaktion, die peinlich genau Kachelmann-Spurenträger aussparte (siehe Küchenfoto, wo sogar noch Essensreste auf den Pasta-Tellern zu sehen sind), geschah Folgendes: »Hebt das Messer auf, das im Schlafzimmer liegt, legt es woanders wieder ab.« [SPIEGEL] Der im FOCUS 35/2010 dargestellte Fundort ist ein nachträglicher, der durch die Zeugin gewählt worden ist.


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@Harry: Zu Deinem Protest

Beitrag  Oldoldman am Mo 06 Sep 2010, 05:26

Harry1972, 06.09.2010, 16:43 h, schrieb:Was die Löschung des Namens der Frau D. aus S. angeht, muss ich vehement protestieren.
Die begründung, warum der Name nicht genannt werden sollte, erscheint völlig unlogisch.
Dann müsste ich darauf bestehen, dass mir eine bessere Begründung genannt wird und gleichzeitig wäre es dann nicht mehr wie recht und billig, den Namen des mutmaßlichen Täters gegen z.B. Jürgen B. auszutauschen, um die Persönlichkeitsrechte und den Schutz des mutmaßlichen Täters ebenfalls zu gewährleisten.
http://ratlos-im-netz.forumieren.com/sexualitat-f14/fall-kachelmann-faktum-oder-in-der-elsen-falle-teil-5-t229-120.htm#15310

Ich habe in Kenntnis Deines Protestes begonnen, die Nennung des richtigen Namens des mutmaßlichen Opfers zu korrigieren (statt ... steht also NNNNNNN Simone NNNNNN, Simone, Simone W. usw.).
Mein Argument: Der Name von Herrn K. hätte zwar zunächst auch nicht veröffentlicht werden dürfen, es gab insoweit Indiskretionen. Aber seit das Hauptverfahren eröffnet und die Anklage zugelassen ist, handelt es sich um eine öffentliche Tatsache, die auch so für jedermann aus offiziellen Dokumenten einsehbar ist. Diese Öffentlichkeit bezweckt nicht die Befriedigung der Sensationsgier des Publikums, sondern sowohl den Schutz des Angeklagten, als auch den Schutz der Rechtsordnung. Nur so ist die Kontrolle gewährleistet, daß der Angeklagte in einem rechtsstaatlichen Verfahren ohne Ansehen seiner Person be- und ggfs. verurteilt wird.
Zeugen wie auch die Nebenklägerin sind jedoch vor Bedrängung, Beeinflußung usw. zu schützen. Daher tauchen sie in der Öffentlichkeit in aller Regel erst auf der Terminsrolle am Gerichtssaal auf. Und in den Fällen, wo die Gefahr besteht, daß Zeugen durch ihre öffentliche Benennung in Bedrängnis geraten können, wird ihr Name auch dort nicht genannt.
Selbst wenn es ein offenes Geheimnis ist, wer sich hinter "Simone W." verbirgt, sollten wir dies respektieren.
Hinzu kommt, daß es sich nicht um einen Prozeß zwischen Herrn K. und Frau W. handelt, sondern Herr K durch die Staatsgewalt angeklagt ist, während Frau W. nur eine Nebenrolle in diesem Verfahren zukommt. Es ist daher kein Gebot der "Waffengleichheit", auch den richtigen Namen von Frau W. zu nennen.

Weiter ist es auch meiner Sicht ein Zeichen von Seriosität, wenn wir uns der in der Presse geübten Namensgebung bedienen. Da anderenorts offenbar richtige Hetzkampagnen gegen die Zeugin und Nebenklägerin gefahren werden, mit denen wir (das darf ich wohl im Namen aller User sagen) nichts zu tun haben wollen, sollten wir die Distanz dazu auch bei der Namenskonvention deutlich machen.

Ich muß mir da selbst den Vorwurf gefallen lassen, den Namen auch gebraucht zu haben und gegen die weitere Verwendung nicht bzw. jetzt sehr spät eingeschritten zu sein. Doch ich werde das Versäumte nachholen.

Ich hoffe, Harry, damit Deinem Protest etwas die Spitze genommen zu haben. Die Postings sind deswegen ja nicht sinnentstellt.

Oldoldman

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@ Gabriele Wolff

Beitrag  Nahr am Mo 06 Sep 2010, 05:29

Ihrem sehr ausführlichen und mit viel Detailkenntnis gespickten Antwortbeitrag an Alice entnehme ich, dass Sie allerdings die wichtigste und Eingangsfrage leider unbeantwortet ließen:
@ Gabriele Wolff
Alice Gestern um 14:11
Dieses Posting bezieht sich auf folgenden Link:
http://ratlos-im-netz.forumieren.com/sexualitat-f14/fall-kachelmann-faktum-oder-in-der-elsen-falle-teil-5-t229-40.htm#15204

Ist es politische Korrektheit, die dich dazu bringt, dich mit diesem (deinem?) Klarnamen anzumelden? Darf man sich beehrt fühlen mit deiner Präsenz?
http://de.wikipedia.org/wiki/Gabriele_Wolff
Bestimmt nur ein Versehen. Ich bin sicher, da dürfen wir auch noch auf eine genauso detaillierte Antwort hoffen!

Nahr

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Wenn der Täter eine Waffe hat, wird sich das Opfer wahrscheinlich nicht wehren und trägt auch keine Verletzungen davon

Beitrag  Nahr am Mo 06 Sep 2010, 05:36

06.09.2010
Interview über Vergewaltigungs-Prozesse
"Würgemale am Hals"
Heute begann der viel beachtete Prozess gegen Jörg Kachelmann: Rechtsmedizinerin Saskia Guddat über das Dilemma von Missbrauchsopfern und die Probleme der Spurensicherung.

taz: Frau Guddat, Sie haben als Rechtsmedizinerin mehrfach Opfer von Vergewaltigungen untersucht. Wie ging es den Frauen, die zu Ihnen kamen?

Saskia Guddat: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Frauen, die sehr distanziert, sehr beherrscht sind. Wenn eine Frau schnell Schutzbarrieren hochziehen kann, dann ist sie ruhiger. Bei manchen hat man das Gefühl, dass sie sich von der Sache in kurzer Zeit psychisch abgespalten haben. Es gibt aber auch Frauen, die sehr aufgewühlt sind, die noch stark unter dem Eindruck des Geschehenen stehen.
Die Berliner Charité arbeitet seit Juni in einem Pilotprojekt mit dem Landeskriminalamt zusammen. Die Opfer sollen mit Fingerspitzengefühl untersucht und Spuren besser gesichert werden. Was genau tun Sie?

Die Polizei kommt mit Frauen oder auch Männern, die Anzeige erstattet haben, in eine der drei Rettungsstellen der Charité. Bis jetzt gab es in Berlin keine gerichtsfeste standardisierte Dokumentation für Opfer sexualisierter Gewalt. Wir haben ein Verfahren entwickelt, wie man Befunde so sichert, dass sie vor Gericht Bestand haben.
Das Pilotprojekt
Berlin: Das Pilotprojekt läuft seit Anfang Juni und noch bis Ende Dezember. Sowohl Pflegekräfte als auch Rechtsmediziner, Gynäkologen und Chirurgen sind daran beteiligt. Bisher trägt die Charité die Kosten selbst.
Hamburg: Andere Städte sind weiter als Berlin. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gibt es eine der ältesten Gewaltopferambulanzen Deutschlands. Betroffene können sich dort betreuen und untersuchen lassen. Spuren werden so gesichert, dass sie vor Gericht zu verwenden sind.
München und Münster: Hier wurden inzwischen Gewaltopferambulanzen eingerichtet. "Das ist immer auch eine Frage des Geldes", sagt Angela Wagner vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe.
Frankfurt: Hier können sich Opfer sexueller Gewalt untersuchen und Spuren sichern lassen, ohne Anzeige erstatten zu müssen. Den Befund bewahren die Rechtsmediziner ein Jahr lang auf. In diesem Zeitraum kann die Betroffene entscheiden, ob sie zur Polizei gehen will oder nicht. Meldet sie sich nicht, werden die Spuren vernichtet.
Bundesweit: Hilfsangebote in ganz Deutschland unter www.frauen-gegen-gewalt.de


Wie gehen die Charité-Mitarbeiter vor?

Die Ärzte sichern zunächst DNA-Spuren, damit man den Täter identifizieren kann. Das ist aber nur ein Aspekt. Die Anwälte der Beschuldigten raten ihren Mandanten heute häufig, den Sexualkontakt zuzugeben, aber zu sagen, dass er freiwillig war. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Ärzte den gesamten Körper anschauen. Sie müssen Verletzungen fotografieren und schriftlich festhalten. Wenn der Angeklagte vor Gericht zum Beispiel behauptet, der Sexualkontakt sei freiwillig gewesen, das Opfer hatte aber Würgemale am Hals, dann passt das offensichtlich nicht zusammen.
Kaum zu glauben, dass es in Berlin bisher keine standardisierten Untersuchungen gab.
Es passierte immer wieder, dass Polizisten bei uns in der Rechtsmedizin angerufen haben. Sie waren in anderen Kliniken abgewiesen worden, weil man dort keine Zeit oder kein Know-how hatte, um sich um das Opfer zu kümmern. Es kam auch vor, dass die gesicherten Spuren später schimmelten. Oder dass Verletzungen nicht dokumentiert wurden. Deshalb ist das Pilotprojekt so wichtig. Wenn Frauen den Mut aufbringen anzuzeigen, sollen sie das nicht umsonst gemacht haben. Sie nehmen diesen oft qualvollen Weg auf sich. Trotzdem wird der Täter am Ende freigesprochen, weil Aussage gegen Aussage steht und die gerichtsverwertbaren Spuren fehlen. Da kommt es dann zur sekundären Viktimisierung, die Frauen werden zum zweiten Mal Opfer.
Wer sexuelle Gewalt erfahren hat, ist meist traumatisiert. Inwiefern nehmen die Ärzte darauf Rücksicht?
Die Ärzte wurden im opferzentrierten Umgang von einer Psychologin geschult. Zunächst gibt es ein Gespräch, in dem geklärt wird, was passiert ist. Danach beginnt die Spurensicherung. Wenn etwa gebissen, geleckt oder geküsst wurde, findet man DNA-Spuren. Sich für die Untersuchung des Körpers auszuziehen, ist für viele Opfer schwierig. Deshalb bitten die Ärzte darum, einzelne Körperteile zu entkleiden.
Auch wenn das lange dauert und draußen andere Patienten warten?
Natürlich. Die Ärzte geben dem Opfer auch die Zeit, sich zwischendurch Pausen zu nehmen, sich wieder anzuziehen. Die Patientin bestimmt, was stattfindet und in welcher Geschwindigkeit es stattfindet. Das kann dann auch ein erster Schritt sein, die Gewalt über den eigenen Körper, die Selbstbestimmung zurückzugewinnen. Denn das ist ja das Problem bei Sexualdelikten.
Was passiert, wenn die Frau oder der Mann sagt: "Ich kann nicht mehr"?

Dann stoppt das Ganze. Dann gibt man dem Opfer Zeit, sich wieder zu fangen.
Und wenn es das nicht tut?

Meine Erfahrung ist, dass sich die Opfer immer wieder stabilisieren. Wichtig ist, dass die Ärzte ehrlich sagen, was sie tun und warum sie etwas tun. Ganz am Ende folgt die gynäkologische Untersuchung oder, bei männlichen Opfern, die proktologische Untersuchung im Analbereich.
Die allermeisten Täter sind Männer. Die Nähe eines männlichen Arztes könnte bei den Opfern Ängste auslösen.
Deshalb bemühen wir uns um gleichgeschlechtliche Untersuchungen. Es wird aber sicherlich Situationen geben, in denen gerade keine Ärztin anwesend ist. Wenn ein Mann untersucht, dann bleibt immer auch eine weibliche Pflegekraft dabei.
Was sind denn typische Verletzungen, die man nach einer Vergewaltigung findet?
Beim Herunterreißen des Slips kann das Opfer mit dem Fingernagel verletzt worden sein. Wenn der Täter gewaltsam am BH-Träger gezerrt hat, sieht man das hinterher manchmal auch. Klassische Verletzungen sind aber auch Griffspuren an den Oberarmen oder Hautunterblutungen an den Beinen, die dadurch entstehen, dass gewaltsam die Oberschenkel auseinandergedrückt wurden. Auf all das achten unsere Ärzte. Sie schauen auch, ob es Punktblutungen in der Gesichtshaut gibt. Die sind ein Hinweis darauf, dass das Opfer in Lebensgefahr schwebte. Wobei man sagen muss: Verletzungen sehen wir nur in 50 Prozent der gesicherten Vergewaltigungen. Wenn der Täter eine Waffe hat, wird sich das Opfer wahrscheinlich nicht wehren und trägt auch keine Verletzungen davon. Trotzdem ist es vergewaltigt worden.
Kürzlich hat der pensionierte Berliner Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge gesagt, dass er seiner Tochter nach einer Vergewaltigung von einer Anzeige abraten würde. Können Sie das verstehen?

Sicherlich ist es für viele Frauen schlimm, vor Gericht alles minutiös darzulegen und am Ende möglicherweise zu sehen, dass der Beschuldigte freigesprochen wird. Insofern kann ich Herrn Karges Aussagen nachvollziehen. Aber ich bin nicht der Meinung, dass wir als Gesellschaft akzeptieren sollten, dass es sexualisierte Gewalt gibt. Von einer Anzeige abzuraten, halte ich deshalb für falsch.
Für das einzelne Opfer mag es trotzdem der richtige Weg sein.
Aber das hat möglicherweise Konsequenzen für andere. Schauen Sie sich Serientäter an. Wie viele Frauen müssen dran glauben, bis eine anzeigt?

Was schlagen Sie vor?
Wenn etwas im Argen liegt, muss man es ändern. Die Situation der Opfer ist in Berlin in der Tat nicht gut. In anderen Städten wie in Hamburg gibt es eine Gewaltopfer-Ambulanz, an die sich Frauen und Männer, die Gewalt erleben, wenden können. Rechtsmediziner und Gynäkologen untersuchen dort gemeinsam die Opfer sexualisierter Gewalt, um Spuren optimal zu sichern und Verletzungen zu dokumentieren. Etwas Vergleichbares hat Berlin bislang nicht. Das ist auch ein Grund, warum wir das Pilotprojekt ins Leben gerufen haben.
Falls eine Frau nicht gleich Anzeige erstatten will, kann sie sich trotzdem an Sie wenden und später entscheiden, ob sie zur Polizei geht?

Leider nein. Anders als etwa in Hessen oder Nordrhein-Westfalen haben wir in Berlin bis jetzt nicht die Möglichkeit der anonymisierten Spurensicherung. An der Charité gibt es zwar eine Anlaufstelle für Opfer häuslicher Gewalt. Dort werden aber nur Verletzungen dokumentiert, nicht die DNA-Spuren gesichert. Das derzeitige Pilotprojekt richtet sich tatsächlich nur an Frauen und Männer, die in Polizeibegleitung kommen. Die Ärzte geben den Beamten die Ergebnisse der Untersuchungen mit. Wir haben in der Klinik schlicht nicht die Möglichkeit, die Spuren so wegzuschließen, dass sie vor Gericht Bestand hätten.
Wie schnell muss das Opfer nach der Tat Anzeige erstatten, damit die Untersuchung Beweise bringt?

Innerhalb der ersten 72 bis 78 Stunden ist es noch möglich, die DNA zu sichern. Liegt der Vorfall Wochen zurück, können wir nichts mehr machen.

INTERVIEW: ANTJE LANG-LENDORFF

http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/wuergemale-am-hals/

Nahr

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@Nahr: Jedes Mitglied ehrt uns...

Beitrag  Oldoldman am Mo 06 Sep 2010, 05:38

... wenn es derart fundierte Beiträge schreibt. Da kommt es auf den Namen und einen etwaigen Rang nicht an.

Oldoldman

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Re: Fall Kachelmann: Faktum oder in der 'Elsen-Falle' ...? (Teil 5)

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